In der sechsten Bummelstreikwoche hat die Bundesregierung schweres Geschütz gegen die Fluglotsen aufgefahren. Sie erwirkte am Dienstag eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Hannover, die es dem Flugleiterverband untersagt, die Bummelstreik-Aktion weiterhin zu fördern oder zu unterstützen. Die Richter stellten fest, daß die Lotsen „gegen die Pflichten als Beamte“ verstießen. Sie hätten nicht das Recht, ihre Stellung als Spezialisten in dieser Weise auszunutzen.

Die einstweilige Verfügung erging zweieinhalb Tage nach Ablauf des Ultimatums der Bundesregierung. Obwohl Verkehrsminister Lauritzen seinem Ziel – der reibungslosen Abfertigung des Flugverkehrs – am Wochenanfang erheblich nähergekommen war, wollte er sich mit der Anrufung des Gerichts absichern. Ein Verbandssprecher hatte die unverminderte Fortsetzung des Bummelstreiks angekündigt.

Eines der größten deutschen Reiseunternehmen, Touristik Union International (TUI) in Hannover, will die Bundesregierung als Dienstherrn der Fluglotsen auf Schadenersatz verklagen. Erwartet wird, daß sich weitere Reiseunternehmen anschließen. Ihr Gesamtschaden betrug, bis zur Vorwoche 18 Millionen Mark.