Irgendwie fühlte sich der Groß Verleger immer geschmeichelt, wenn man ihn den Pressezar nannte. Aber wenn er daran dächte, wie seinerzeit die Zarenherrschaft beendet worden war, befiel ihn echter zaristischer Zorn, und er hielt eine flammende Rede gegen die Roten, die von all seinen Zeitungen gedruckt werden mußte.

Als der Bauunternehmer sich einen Namen gemacht hatte, nannten ihn viele nicht mehr beim Namen, sondern sprachen respektvoll vom Baulöwen. Und da ein Baulöwe dem anderen kein Auge auskratzt, wurde er von dem großen Rudel aufgenommen, das schon seit Jahren die Kartellgesetze umging. Die Kleinen fängt man, aber unsere Großen...

Welcher König kann es sich schon leisten, die totale Freiheit zu propagieren? Der Pornokönig konnte es. Und er fuhr nicht mal so schlecht dabei. Rolls-Royce, versteht sich. Und treu wie seine Kundschaft war ihm auch die Presse, die ihn zu jedem Prozeß begleitete. Trifft man ihn heute, murmelt er verstört: „Es lebe das Pornoverbot!“

Joachim Schwedhelm