Eine gereinigte Version des Liedes von der Glocke („...da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz ...“) kreierte der deutsche Olympia-Arzt Armin Klümper. Die Schnapsidee, weibliche Box-Profis in den Ring zu schicken, kommentierte er (laut „Hamburger Morgenpost“) mit den Worten: „Da werden Frauen zu Hyänen.“

Die „Frau“ (frouwe) war die Herrin; der erwachsene Mensch im Femininum hieß „Weib“. So war es das ganze Mittelalter hindurch, bis weit ins sechzehnte Jahrhundert hinein. Dann fingen die Unterschiede an, sich zu verschleifen. Aber noch im neunzehnten Jahrhundert schrieb man gern „Weib“, wenn nicht von sozialer Stellung, sondern von biologischen Eigenschaften die Rede war. Manche Frau fand sich viel lieber als „Weib“ bezeichnet.

Aber wir wissen eben auch von der Geschichte unserer Sprache nichts mehr. Ein ausgewachsener Professor glaubte unlängst, Heines Geringschätzung der Damen daran ablesen, zu können, daß in seinen Werken Frauen, oft als „Weiber“ bezeichnet werden. Das ist reiner Unsinn.

Der abwertende, geringschätzige Beiklang, den „Weib“ bekommen hat, ist eine Errungenschaft des späten neunzehnten Jahrhunderts, möglicherweise hervorgegangen aus viktorianischer Prüderie. Dem, muß man heute wohl Rechnung tragen. Aber muß deswegen nun auch gleich die klassische Dichtung „gereinigt“ werden?

Wenn schon, dann sollten wir auch konsequent sein: Wir sollten den beklagen, der „nicht liebt Wein, Frau, Gesang...“; wir sollten demnächst von „Altfrauensommer“ reden; und gefragt etwa nach dem Geschlecht der lateinischen Hauptwörter, die auf „o“ enden, hieße die Antwort: fraulich.

Leo