Wir müssen uns an schwankende Devisenkurse gewöhnen: Eine Reform des Währungssystems ist nicht in Sicht

Bundesbankpräsident Klasen verkündet: „Der Dollar ist jetzt unterbewertet.“ Wenige Tage später wird die Mark aufgewertet, fällt der Kurs der US-Währung von 2,60 auf 2,50 Mark. Staatssekretär Pöhl vom Finanzministerium nach der Paritätsänderung: „Wir haben die Mark zu stark aufgewertet.“ Am Tag darauf fällt der Dollar weiter auf 2,40 Mark. US-Staatssekretär Paul Volker: „Der Dollar ist extrem, unterbewertet, ein Tendenzumschwung steht bevor.“ Doch der Dollar erleidet einen neuen Schwindelanfall, der Kurs rutscht zeitweise unter 2,25 Mark.

Es ist freilich typisch für jede ausgeprägte Baissebewegung an der Börse – und seit viele Währungen gegeneinander floaten, kann man wirklich wieder von Devisenbörsen sprechen –, daß Experten eine Wende ankündigen, während die Reise immer noch weiter abwärts geht. Wie nach oben wird an der Börse eben auch immer nach unten „übertrieben“.

Es gibt Argumente für und gegen den Dollar. Für einen Tendenzumschwung an den Devisenmärkten spricht, daß der Dollar immer noch die leistungsfähigste Volkswirtschaft der westlichen Welt repräsentiert. In den USA erzielen die Unternehmen Rekordgewinne, die Wirtschaft läuft auf vollen Touren, die Arbeitslosigkeit sinkt. Der Dollar aber ist so weit gefallen, daß ein deutscher Tourist heute „drüben“ erheblich billiger lebt als zu Hause. Jeder kann sich ausmalen, was auf den Märkten der Welt los sein wird, wenn erst einmal der „billige Dollar“ zur Exportoffensive ansetzt.

Gegen eine Gesundung des Dollar spricht, daß es viel zuviel davon gibt. Alles in allem dürften 100 Milliarden Dollar außerhalb der USA zirkulieren. Und Washington kann sie nicht einlösen: Der Goldbestand der USA beträgt nur wenig mehr als ein Zehntel dieser Summe.

So bleibt die Forderung vieler Europäer, die USA sollten die Konvertibilität ihrer Währung wiederherstellen, völlig unrealistisch. Selbst wenn Washington eine drastische Erhöhung des offiziellen Goldpreises akzeptieren würde, etwa auf 150 Dollar je Unze (so der Vorschlag des südafrikanischen Finanzministers Diederichs), würde ein völliger Ausverkauf von Fort Knox nur 40 der insgesamt 100 Milliarden vagabundierenden Dollar ins Land zurückbringen.

Zunächst wird wohl die Kurstendenz des Dollar weiterhin von den negativen Faktoren bestimmt werden. Die Handelsbilanz kann sich kurzfristig nicht bessern. Im Gegenteil: Die USA müssen ständig mehr für Importe bezahlen (vor allem für das dringend benötigte Erdöl) und drosseln überdies noch die Ausfuhr von Agrarerzeugnissen. Ein Umschwung wird erst einsetzen, wenn das Abflauen der Hochkonjunktur im eigenen Land die US-Konzerne auf den Weltmarkt zwingt. Freilich: Die Kurse steigen meist schon lange bevor das gute (oder schlechte) Ereignis eintritt. Für längere Zeit aber werden Beistandspakte zwischen Notenbanken, wie zu Wochenbeginn in Basel vereinbart, den Dollar vor allzu tiefem Sturz bewahren müssen. Allerdings: Eine Währung, die „gestützt“ werden muß, weit kein Vertrauen. Und Psychologie spielt bei jeder Währungskrise eine entscheidende Rolle.