Es war, so kommentierte die „Times“ in einem rückblickenden Leitartikel, trotz aller anfänglichen Dispute „ein sehr erfreuliches Wimbledon“. Und das war es in der Tat, denn Wimbledon war wieder einmal Wimbledon: Sonne und Regen, volle Tribünen, Erdbeeren mit Sahne in der Pause, ein Knicks der Damen und eine Verbeugung der Herren vor der „Royal Box“. Wer freilich sehr gutes Tennis sehen wollte, der kam nur einmal in zwölf Tagen auf seine Kosten, als Roger Taylor, Englands derzeitiger Lieblingssportler, im Semifinale in einem tempo- und risikoreichen Fünfsatzkampf gegen den späteren Sieger Kodes knapp unterlag. Ansonsten litt Wimbledon unter dem Boykott, mit dem 67 Mitglieder des Profi-Berufsverbandes die vom Internationalen Tennisverband gegenüber Nikola Pilic ausgesprochene Sperre beantworteten. Das Endspiel, in dem der Tscheche Kodes den Russen Metreweli mit 6:1, 9:8, 6:3 schlug, hätte einem Bäderturnier Ehre gemacht. Bei den Damen siegte die US-Veteranin Billie Jean King gegen das US-Küken glatt mit 6 : 0, 7 : 5. Auch im Mixed (mit Owen Davidson) und Damendoppel (mit Rosemarie Casals) war Mrs. King erfolgreich, das Herrendoppel ging an Ilie Nastase und Jim Cooper. Wimbledon ’73 war ein Erfolg für Wimbledon: Spiel, Satz, Sieg ging an die Veranstalter und das Publikum, die darauf bestanden, daß das Spiel wichtiger ist als eine Gruppe prominenter Spieler. Petra Kipphoff