Man geht ins Kaufhaus und kauft das Ding wie eine Waschmaschine: Preis, Marke, Größe; justiert Temperatur, Intensität, Spülgänge, Schleudern und Abpumpen, packt die Badehose und den großen Braunmacher ein und kommt so richtig gesund geschleudert und abgepumpt wieder raus – aus den Ferien. Überraschungen sind unerwünscht und weitgehend ausgeschlossen.

Während so der Urlaub von der Stange immer genormter, konformer und überraschungsfreier gemacht wird, entwickelt sich seit einiger Zeit auf der anderen Seite mehr und mehr das Bedürfnis nach freieren, unabhängigeren, noch selbstgeschneiderten Reisen, nach Reisen, die zumindest Überraschungen versprechen, meist mehr: Erlebnis, Abenteuer, ja, Erfahrung.

Junge Leute, die ein paar Jahre Geld gespart haben, kündigen eines Tages ihren Job, ihre Wohnung, kaufen sich ein Auto oder trampen oder fliegen los. „Auf unbegrenzte Zeit, mindestens ein halbes Jahr“ und „wohin der Wind mich weht“. Sie reisen mit Nomaden durch den Hindukusch, ernten Reis in Ceylon, wohnen in indischen Ashrams, haschen in Nepal, fischen auf dem Amazonas oder machen Dinge, von denen wir hier nicht viel wissen.

Die meisten kommen irgendwann wieder, haben mehr erfahren, als ein pessimistischer Gottfried Benn meint, kriegen wieder eine Wohnung und auch wieder einen Job.

Manche planen so eine Reise gar nicht, manche gehen etwas genauer zu Werke. Der Düsseldorfer Werbetexter Jörg Hänel (nebenan stellt er sich vor) plant eine zwölfmonatige Weltreise.

Weltreise? Wir haben hier oft Kritik an den sogenannten Weltreisen geübt, die in 22 Tagen dem Verbraucher einen oberflächlichen Völker- und Kulturwirrwarr vermitteln, die reiche Just-Married-People vom Schwiegervater mit auf den Weg ins Leben bekommen und die Verleger für ihre geschaßten Chefredakteure als Trostpflaster springen lassen. Weltreisen, die eine Einsicht in die Welt ermöglichen, sind das allemal nicht.

Auch Hänels Weltreise berührt nur einen Teil der Länder und des Lebens auf dieser Welt. Aber allein die Reisedauer und die Unabhängigkeit von Zeiten, Verbindungen, Anschlüssen und der Elan und die Aufnahmebereitschaft des Vorurteilsfreien verspricht uns eine Reise mit größerem und intensiverem Erlebniswert als die von uns geschilderte „Galopptour um die Welt“ (ZEIT Nr. 52, 1972).