Die Menschen kämpfen sehr gern für ihre Ideale – falls sie in derselben Richtung liegen wie ihr Interesse. Ludwig Marcuse

Konrad Farner 70 Jahre

Der Luzerner Bürgersohn, der sich schon als Gymnasiast für den Leninismus begeisterte, gilt wegen seiner roten Gesinnung immer noch als schwarzer Fleck auf der weißen Schweizer Weste. Während des Kalten Krieges fast zehn Jahre lang gesellschaftlich geächtet (vergleiche die ZEIT Nr. 2 vom 14. 1. 72), durfte der promovierte Kunsthistoriker erst im Wintersemester 1971/72 wieder Redefreiheit für sich in Anspruch nehmen: Die Universität Zürich bot ihm einen Lehrauftrag an. Die entbehrungsreiche Vita des verfemten Schweizer Kommunisten und theologisch orientierten Philosophen wird demnächst auch Lesestoff für deutsche Hauptschüler. Der Bertelsmann-Schulverlag will den erwähnten ZEIT-Artikel über Farner in seine Lesebücher aufnehmen.

Ahlers-Hestermann 90 Jahre

Am 17. Juli feiert Friedrich Ahlers-Hestermann, Hamburger von Geburt und so hanseatisch distinguiert, daß ihn vor 70 Jahren die Bohemiens im Café du Dome den „Konsul Hestermann“ nannten, seinen 90. Geburtstag. Seit der Jahrhundertwende, als der alte Lichtwark ihn entdeckte und förderte, hat er geistig agil und in vielen Rollen, als Maler, als Schriftsteller, als passionierter und kritischer Beobachter, als Lehrer und Hochschuldirektor, als heute noch amtierender Senator der Berliner Akademie der Künste in der wechselvollen Geschichte dieser Dezennien mit ihren häufigen Stilwenden teilgenommen. Mit seinem Buch „Stilwende. Aufbruch der Jugend um 1900“, das er 1941 publizierte, hat er die Rehabilitierung des mißachteten Jugendstils eingeleitet. Seine Malerei war nie avantgardistisch ambitioniert, aber sie ist, bis zu den jüngsten Stilleben, reich an „poetischen Akzidentien“ und künstlerischer Noblesse.

Ehrung für Arno Schmidt

Die eingeschworene Gemeinde des Gurus aus der Lüneburger Heide kann jubeln: Der Frankfurter Magistrat hat den Goethe-Preis, der alle drei Jahre verliehen wird, einstimmig dem Schöpfer der „Etymtheorie“ (einer verschachteltvieldeutigen Sprache), des Überbuchs „Zettels Traum“ und vieler origineller, kauziger Literaturbetrachtungen, Arno Schmidt, zuerkannt. Der Wortgewaltige steht damit in der Phalanx von Stefan George, Sigmund Freud, Ricarda Huch, Gerhart Hauptmann, Max Planck, Hermann Hesse und Carl Zuckmayer; den letzten Goethe-Preis erhielt 1970 Georg Lukács. Die Wahl Schmidts ist bedeutsam, weil sie, so die „Frankfurter Rundschau“, „alle bisher versäumten Ehrungen und Anerkennungen glanzvoll und mutig nachholt“. Glanzvoll ist auch die an den Preis gebundene Summe: 50 000 Mark. Am 28. August wird Arno Schmidt sie entgegennehmen, die Laudatio hält Alfred Andersch.