Von Stefan Woltereck

Nun ist es tatsächlich soweit. Statt mit Gestank und Geknatter rollt ein Gefährt leise schnurrend und doch kraftvoll durch unsere Straßen: das elektrische Mofa.“ – Was hier der Pressedienst der Firma Solo rühmt, gibt es seit einem Vierteljahr tatsächlich: ein Motorfahrrad mit Batterieantrieb, das Solo „electra“. Ist also das Ende der Knatterwelle in Sicht?

Seit Jahren gelten die Hoffnungen der Umweltschützer dem Elektroantrieb für Fahrzeuge. Und ebenfalls seit Jahren basteln Motoren- und Fahrzeughersteller, Batterie- und Stromlieferanten. 1967 führte Bosch einen auf Elektroantrieb umgebauten Kleinwagen vor. BMW stellte Elektrowagen zur Olympiade-Begleitung ab, VW entwickelte einen Elektrotransporter. Daimler-Benz schloß gerade einen Liefervertrag über 30 solche Transporter mit der „Gesellschaft für Elekirischen Straßenverkehr“, einer Tochter der RWE ab. Das Bundesverkehrsministerium räumte Hürden weg, indem es für Elektrofahrzeuge nur mehr die normalen Führerscheine verlangt und ihnen zudem Steuervorteile einräumt.

Indes – solange der Durchbruch bei den Stromquellen auf sich warten läßt, wird mit Elektroantrieb nicht viel Staat zu machen sein. Die bisher einzig praktikablen Bleibatterien sind zu groß, zu schwer und zu teuer. Nichts beweist dies besser als das Elektro-Mofa von Solo, das bislang einzige auf der Welt (wenn man das Versandhaus Quelle nicht rechnet; auch das hier angebotene Mars-electra stammt aber von Solo). Außer Solo entwickeln Herkules, Kreidler und Zündapp, praktisch also alle Großen auf dem Markt der Schnapsglas-Motoren. Das Mofa ist dabei der einfachste Fall für Elektroantrieb: Das Fahrzeug wiegt wenig, es wird nur ein Mensch befördert, und die Geschwindigkeit darf maximal 25 km/st betragen.

Das Solo electra steht im Aussehen einem Roller näher als dem üblichen Mofa (das in der Regel von einem Moped abgeleitet ist; Unterschied: Das Moped darf 40 km/st laufen). Die kleinen Räder und der geschickt als Stilelement ausgenutzte Batteriekasten ergeben ein organisches, irgendwie lustiges Fahrzeug. Unter der Haube in der Mitte versteckt sich der äußerst einfache Antrieb: Ein Bosch-Elektromotor mit Fliehkraftkupplung treibt über einen Keilriemen eine Zwischenwelle an; von hier aus geht es über eine Kette zum Hinterrad. Mit dem „Gas“-Drehgriff rechts am Lenker wird der Motor eingeschaltet. Es gibt ein Kontrolle-Voltmeter für die Batterieladung und am Motor einen Überlastungsschutz, damit er bei langen Bergauffahrten nicht überhitzt werden kann.

Das Fahrzeug wiegt 37 kg, die beiden Batterien (12 Volt, 50 Ah) kommen noch einmal auf 30 kg – macht zusammen 67 kg. Oder etwa das Eineinhalbfache eines Mofas mit Benzinmotor. Mit einem Fahrer von 70 kg Gewicht ergeben sich zusammen 137 kg, die von dem 500-Watt-Motörchen gezogen werden müssen. Das ergibt ein „Leistungsgewicht“ höher als bei einem Fahrrad mit Hilfsmotor nach dem Kriege. Entsprechend mäßig sind die Fahrleistungen: Spitze etwa 23 km/st, schon bei Gegenwind oder leichten Steigungen aber sinkt das Elektrotempo auf 15 km/st. Immerhin schafft das „electra“ noch Steigungen von etwa 13 Prozent.

Unter günstigen Bedingungen reichen die Batterien für 35 km Strecke. Kommen Berge hinzu oder häufiges Anfahren, so sinkt der Aktionsradius auf 20 bis 25 km. Immerhin: Es reicht, fährt man zum Einkaufen in die nahe Stadt, es reicht auch ins nächste Freibad. Für Stadt und Freibad allerdings kann es schon nicht mehr ausreichen, da müssen die Batterien vorher an der Steckdose geladen werden.