BetriebssportDer Chef turnt mit

Immer mehr Firmen verordnen ihren Mitarbeitern Gymnastik am Arbeitsplatz

Von Petra Spangenberg

Die Trimm-Dich-Welle rollt – nicht nur in der Freizeit, sondern neuerdings auch am Arbeitsplatz. Denn immer mehr Betriebe in der Bundesrepublik entscheiden sich für den systematischen Betriebssport. In der Mittagspause absolvieren Arbeiter, Angestellte und sogar die Chefs unter Anleitung eines Vorturners ihre gymnastischen Übungen. Der Lohn für den Schweiß: Die Arbeit macht mehr Spaß, der Kreislauf ist wieder in Schwung.

Der Deutsche Sportbund gab 1971 zusammen mit dem Büromöbelhersteller Pohlschröder die Broschüre „Trimm Dich im Büro“ heraus. Beide hatten erkannt, daß physische Schäden häufig auf schechte Sitzmöbel und zu geringe körperliche Bewegung zurückzuführen sind. Der Sportbund sorgte zudem für einen besonderen Anreiz: Wer 100 Übungsaufgaben erfüllt, verdient sich damit eine Anstecknadel.

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Das Interesse am Betriebssport ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Mit 150 000 Mitgliedern und einem jährlichen Mitgliederzuwachs von elf Prozent ist der Bund Deutscher Betriebssportverbände heute eine der am schnellsten wachsenden Organisationen im Deutschen Sportbund.

Initiator der Idee des Sports in bundesdeutschen Betrieben ist der SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Zehnkampftrainer Friedel Schirmer. Er hatte 1964 auf einer Studienreise durch Japan und die Sowjetunion den Arbeitssport studiert und hatte daraufhin einen Plan nach asiatischem Vorbild entwickelt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer nahmen die Vorschläge sehr positiv auf.

Mittlerweile haben über 100 deutsche Unternehmen Fitnessräume für ihre Mitarbeiter eingerichtet. Die Sportexperten raten zu einer ganzen Reihe von zweckmäßigen Geräten. Die beliebtesten: Fahrrad-Ergometer, Sprossenwand, Trockenruderanlage, Zugkraft-Ergometer, Wandzugapparat, Trainings- und Gymnastikbänke, Gymnastikhölzer.

Außerdem sollten medizinische Überwachungsgeräte zur Kontrolle der körperlichen Reaktion nicht vergessen werden. Seit April 1971 ist es auch möglich, Gymnastikprogramme über den Fernsehschirm in Großraumbüros zu übertragen. Die Kosten zur Installation und Unterhaltung eines solchen Gerätes liegen bei 15 000 Mark.

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