Für SpielerUnser Papagei ist begeistert

Man mag es für eine Übertreibung halten, daß es in der Einleitung zur Spielregel heißt: „Dieses spannende Spiel läßt die erregende Atmosphäre eines Rennplatzes erleben.“ Aber dann ist es wirklich so; und mancher kriegt sogar Herzklopfen, wenn die Pferde in die Zielgerade gehen und es sich bald entscheiden muß, ob man richtig gesetzt und die Pferde richtig beeinflußt oder alles verloren hat. „Jockey“ ist eins der neuen Spiele aus der Casino-Serie des Otto Maier Verlags, Ravensburg. Es wird als Erwachsenenspiel bezeichnet, kann aber ebensogut von Zehnjährigen gespielt werden. Wenn man die Regeln einträgt begriffen hat, ist die Sache recht einfach, allerdings nie primitiv und, wie gesagt, immer spannend, wobei der Abnutzungseffekt gering ist.

Es geht darum, daß die zwei bis sechs Spieler auf einer Rennbahn vier Pferde laufen lassen und sie taktisch zu beeinflussen versuchen. Dies geschieht nicht mit Würfeln, sondern mit Hilfe von „Jockey-Karten“, die zu Beginn des Spieles verteilt werden. An Hand seiner neun bis fünfzehn Karten muß der Spieler seine Möglichkeiten abschätzen, das heißt, er muß erkennen, welches oder welche der vier Pferde er möglicherweise zum Sieg bringen kann, und dann muß er entsprechend wetten. Da gibt es die Siegwette, die Zweierwette, die Platzwette und die Einlaufwette. Niemand weiß, wie die Karten seiner Mitspieler aussehen. Und man weiß auch nicht, welche Pläne seine Mit- (oder Gegenspieler haben. Das ist allenfalls aus ihrem Spielverhalten zu schließen, aber oft stellen sich die wahren Absichten der anderen erst in letzter Minute heraus; denn die Wetten werden geheim abgeschlossen, so daß zunächst niemand erkennen kann, wer welches Pferd ins Ziel bringen will. Und bis kurz vor Schluß sind da allerlei Täuschungsmanöver möglich. Sieger ist, wer nach drei Rennen am meisten Geld hat.

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Ein großer Vorteil dieses Spiels ist, daß es nicht ewig dauert. Es besteht aus drei Rennen, und ein Rennen ist in etwa zehn Minuten gelaufen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil: Das Verhältnis von Einflußnahme und Glück beziehungsweise Pech ist grundsätzlich so, daß der Sieger stolz sein kann auf seine raffinierte Taktik, der Verlierer sich aber zugleich auf Mangel an Glück berufen kann. Also braucht keiner sich zu ärgern.

Sich nicht zu ärgern, das machen die Ravensburger einem auch bei einem anderen Spiel möglich, obgleich es da eigentlich um nichts anderes geht, als seinen Mitspielern Ärger zu machen. Das ist Pachisi, das als das älteste aller bekannten Würfelspiele bezeichnet wird und das eine alte Form des berühmten „Mensch ärgere dich nicht!“ ist. Es ist nicht gar so brutal wie „Mensch ärgere dich nicht!“, weil es Ruhebänke hat, auf denen man vor einem Rausschmiß sicher ist. Aber daß man sich bei Pachisi weniger ärgert, auch als Verlierer, liegt, scheint mir, an etwas anderem, nämlich daran, daß es so hübsch aussieht. Das große Spielfeld (42,5 cm mal 42,5 cm) wurde nach alten Originalen gestaltet, und die Figuren sind groß und Standfest, und auch unser Papagei ist ganz begeistert; er findet die bunten Figuren so aufregend, daß er sie immer vom Brett nimmt.

Auf der Rückseite ist das Malefizspiel; auch da wirken sich die großzügige Gestaltung und die Größe der Spielsteine zum Guten aus, indem die das an sich recht ärgerliche Malefiz weniger fummelig machen, als es im kleineren Original ist.

Gerhard Prause

Jockey (aus der Casino-Serie „Spiele für Erwachsene“); Maier, Ravensburg, 30,– DM.

Pachisi – Malefizspiel; Maier, Ravensburg, 30,– DM.

 
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