Schmerzforschimg Ohne Hypnose

Eine wesentliche Entdeckung auf dem Gebiet der Hypnoseforschung machte jetzt der amerikanische Psychologe Ernest Hilgard von der Stanford Universität, in Kalifornien. Wie er auf einem Symposium der American richtete, gelang es; ihm znm erstenmal, „systematische, quantitative Vergleiche zwischen dem bewußten ußd unbewußten Anteil menschlichen Schmerzempfindens" anzustellen. Seine Ergebnisse gebea möglicherweise auck eine Erklämng der Anästhesie durch Akupunktur.

Professor Hilgard" verwendete für seine Experimente „gut hypnotisierbare" Freiwillige und fügte ihnen auf zweierlei Art Schmerz zu: Entweder steckte, er ihren Arm in Eiswasser (was. ein „vollwacher" Proband etwa 45 Sekunden oder weniger lang aushaken konnte), oder er schnürte den Oberarm mit einer sogenannten Aderpresse ein (das konnte ein Proband, der nicht unter Hypnose stand, durchschnittlich 12 Minuten aushallen).

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. Ohne- Hypnose genügte der Hinweis, daß die Versuchsperson keinen Schmerz fühlen würde, um das tatsächliche Schmerzempfinden m 75 Prozent zu senken — verglichen mit dem Schmerzempfinden ohne Suggestion. Unter Hypnose konnte das Schmerzempfinden um 90 Prozent gesenkt werden, also nur um 15 Prozent mehr als unter Suggestionseinfluß.

Einem Teil der hypnotisierten Studenten gab Hilgard den Auftrag, mit Ihrer freien Hand aufzuschreiben, wieviel Schmerz sie empfanden; den anderen Hypnose Probanden gab er den Befehl, nach einem Tippen auf die Schulter sich über den Schmerz mündlich zu äußern Überraschendes Ergebnis: Die Versuchspersonen aus beiden Gruppen gaben — unter Hypnose — einen Sehmerzgrad an, der ihren Äußerungen im Wachzustand entsprach. Nach dem „Aufwachen konnten sie sich allerdings an keinen Schmerz mehr erinnern. Um diese Ergebnisse zu erklären, will Hilgard eine „Neo Dissoziationstheorie" entwickeln. Der Name stammt von der klassischen Dissoziationstheorie, die davon ausging, daß es im Menschen zwei voneinander getrennte Bewußtseinszustände gibt. Hilgard: „Ich glaube, daß das von mir entdeckte Phänomen unter dem Gesichtspunkt erklärt werden muß, daß wir es mit einem schrittweisen, durch Hypnose ausgelösten Gedächtnisverlust zu tun haben. Es muß sich um eine besondere Art von Gedächtnisverlust handeln, durch den das Schmerzgefühl das Bewußtsein nicht erreicht, also irgendwie vorher abgeblockt wird. Wir wissen aber noch zu wenig, urn diesen Prozeß ganz verstehen zu können "

Hilgard, einer der führenden Hypnoseforscher der Welt, betonte in seinem Vortrag, da£ er mit seinen Ergebnissen nicht sagen möchte, Hypnose habe zur Sehmerzkantrolle keinen Sinn: „Man kann mit Hypnose sehr erfolgreich Schmerzen beeinflussen—vor allem, ohne nebenwirkungsträchtige Medikamente verwenden zu müssen " Seine Ergebnisse, so der Wissenschaftler, haben aber möglicherweise ein neues Tor aufgestoßen in die noch fast unerforschte Welt der körperlichen Schmerzen. M. W.

 
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