Feuilleton

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DIE ZEIT

Blindes linkes Auge

Portugals Sozialisten geben sich scharf links – so links, daß es mitunter den Anschein hat, als wollten sie die Kommunisten, ihre gefährlichsten Konkurrenten, noch übertrumpfen.

Kanzler im Test

Das Szenenbild ist in düsteren Farben gehalten. Die wirtschaftswissenschaftlichen Institute der Bundesrepublik, einig wie selten zuvor, bereiten uns auf einen langen und harten Winter der Konjunktur vor.

Gastarbeiter, nicht Fremdarbeiter

Die Initiative der Maßlosigkeit“, wie die Neue Zürcher Zeitung sie nannte, ist gescheitert. Die Schweizer behalten ihre Ausländer und damit auch wohl ihren Wohlstand.

Worte der Woche

„Ich bin gegen jede Hexenjagd, aber auch gegen jede Hexenfurcht, auch wenn es sich um die Hexe Heidemarie Wieczorek-Zeul handelt, die gelegentlich auf dem Besen ihrer Ideologien durch die Seiten wirklichkeitsfremder Resolutionen reitet.

Zeitspiegel

Vor der Einweihung des neuen Berliner Flughafens Tegel hatte es protokollarische Schwierigkeiten gegeben. Ursprünglich war daran gedacht, sowohl Bundespräsident Scheel als auch den französischen Botschafter in Bonn, Olivier Wormser, einzuladen.

Die Bataille von Boston

Die Rassentrennung in den Schulen stürzt die Liberalen in Gewissenskonflikte

Moskau bestimmt das Tempo

So viele bilaterale Probleme es zwischen der Bundesrepublik und einzelnen Ostblockstaaten geben mag, so sehr wird dieses Verhältnis wie bei dem Gesetz von den kommunizierenden Röhren vom Stand der deutsch-sowjetischen Beziehungen beeinflußt.

Ostpolitik auf kleiner Flamme

Mit übergroßen Erwartungen fliegt Helmut Schmidt am nächsten Montag nicht nach Moskau. Es ist nicht seine Absicht, Verhandlungen zu führen oder zu Ende zu führen.

Handel um Juden

Zu Beginn dieser Woche hat sich Henry Kissinger auf eine dreiwöchige Reise begeben, die ihn zunächst nach Moskau führte. Doch zuvor noch wurde in Washington eine neue Variante des Understanding aus der Taufe gehoben, jenes diplomatischen Kunstgriffs, dessen sich Regierungen bedienen, wenn sie sich in einer heiklen Angelegenheit zwar verständigen, aber keine völkerrechtlich verbindliche Übereinkunft kodifizieren wollen.

Kein klarer Kurs

Wenn in Rom, Lissabon oder Athen ein Kommunist Verteidigungsminister würde – wem gehörte seine Loyalität? Der Nato, deren Mitglied sein Land ist, oder dem internationalen Kommunismus, oder gar dessen Hauptmacht, der Sowjetunion? Zugegeben: der Fall ist derzeit kaum denkbar.

Moskaus Musterschüler

Mit Freude“ hat die SED den Beschluß von Warschau aufgenommen, die nächste Konferenz der kommunistischen Parteien Europas in der DDR zu veranstalten.

Zu schwach zum Frieden

Nicht frei von Resignation war wohl die Erkenntnis, die Henry Kissinger vor Antritt seiner sechsten Nahostrundfahrt James Reston von der New York Times vermittelte: „Inder Außenpolitik sind jene Unterfangen am schwierigsten, deren Notwendigkeit man zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht beweisen kann.

Im Schleudersitz

In Nordrhein-Westfalen haben Parteivorstand und Landtagsfraktion der FDP die Entlassung des Staatssekretärs im Innenministerium, Stakemeier, erzwungen.

Theater am Rhein

Wichtig an dem Fall des Düsseldorfer Staatssekretär Heinrich Stakemeier ist nicht die Kontroverse um das FDP-Kirchenpapier, nicht der verzögerte Hinauswurf des Beamten, nicht einmal das Gerangel der beiden „Kampfhähne“, des FDP-Ehrenvorsitzenden und Innenministers Weyer mit seinem Vorstandsnachfolger und Wirtschaftsminister Riemer.

Wolf gang Ebert: Das Traum-Finale

Vielleicht kommt es 1976 zum Traumfinale. Es geht darum, wer dann Bundes-Sheriff wird: Old Shatterhand oder Big Smash, den sie auch den „Southerner“ nennen.

Nur kleine Schritte

Als Valery Giscard d’Estaing jüngst ankündigte, er wolle seine Außenpolitik auf einer Pressekonferenz erläutern, da fragten sich die Beobachter spontan: Welche Außenpolitik? Schon im letzten Wahlkampf hatten außenpolitische Fragen eine völlig untergeordnete Rolle gespielt.

Gruß dem Mentor

Es ist kaum zu glauben: Diese Woche wird Theodor Eschenburg 70 Jahre alt. Niemand, den seine spitze Feder aufgespießt, und niemand, der noch in jüngster Zeit miterlebt hat, wie er den Problemen unseres Staates und unserer Gesellschaft scharfsichtig und scharfsinnig zu Leibe rückte, wird es für möglich halten.

Ford: „Keine Absprache“

In einem vielbeachteten, freiwilligen Auftritt vor dem Justizunterausschuß des US-Repräsentantenhauses wies Präsident Ford am Donnerstag voriger Woche jeden Verdacht zurück, es habe zwischen ihm und Nixon irgendeine Absprache über eine Amnestie gegeben.

Keine großen Erwartungen

Nur mit gedämpften Erwartungen werden Bundeskanzler Schmidt und Außenminister Genscher in der nächsten Woche – zum erstenmal in diesen Ämtern – nach Moskau reisen.

Dokumente der ZEIT – „Sittliches Bewußtsein schwindet“

„Das sittliche Bewußtsein in Lebensfragen und die Achtung der im Grundgesetz verbürgten Menschenrechte drohen zu schwinden. Die jetzige Bundesregierung tritt diesem Rückgang, soweit überhaupt, nur unzureichend entgegen; in wesentlichen Bereichen fördert sie ihn eher.

Amerikanische Vorwürfe gegen Südafrika

Die Attacke des amerikanischen UN-Vertreters Segel am vergangenen Freitag vor den Vereinten Nationen war die schärfste, die Südafrikas Regierung bisher von Seiten, der Vereinigten Staaten hat einstecken müssen.

Brandt sagt Portugal Hilfe zu

Der SPD-Vorsitzende Willy Brandt hat in Portugal „außerordentlich interessante Eindrücke von einem Land bekommen, das die Chance zur Demokratie erhalten hat – auch wenn deren Verwirklichung nach 50 Jahren Diktatur sehr schwer ist“.

Bayern: Streit um Hirtenwort

Selbst in der CSU sind die Ansichten geteilt, ob der Hirtenbrief der bayerischen Bischöfe zur Landtagswahl hilfreich sei. Richard Stücklen, Führer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, rückte davon ab, indem er sagte: „Die CSU und sicher genauso die CDU ist keine Kirchenpartei.

KP-Treffen: Im Mai in Ostberlin

Nach Abschluß der europäischen Sicherheitskonferenz wollen die kommunistischen Parteien Europas eine Konferenz in Ostberlin veranstalten – möglichst zum 30.

Kreml erleichtert Emigration

Senator Jackson sprach von einem „historischen Schritt auf dem Gebiet der Menschenrechte“. Israels Außenminister Allon dankte für die „unschätzbaren Dienste in dieser humanitären Frage“.

Vogel gegen alle

Wenngleich zu ihren Talenten wohl kaum die Gabe zählt, das Publikum zum Lachen zu bringen, so bringt die resche Ansagerin dennoch Heiterkeit in die schmucklose Sporthalle der Regensburger Turnerschaft: „Vielleicht können wir ihn das nächstemal bei uns in Regensburg als Ministerpräsident begrüßen.

Dregger am Drücker

Vor vier Jahren präsentierte sich Alfred Dregger den hessischen Wählern noch als Draufgänger. „Wir kommen“, verkündeten die Plakate, auf denen der CDU-Spitzenkandidat seine Mannschaft gegen einen unsichtbaren Gegner führte.

List oder Lüge?

Die Duplizität der Termine ist frappierend: zweimal just vor bayerischen Landtagswahlen sorgt ein und derselbe Vorgang für Schlagzeilen, Mutmaßungen und böse Worte.

Wodka in die Zelle

Hans-Peter Vast, wegen Diebstahlsverdacht festgenommen, saß nur drei Tage im Mannheimer Landesgefängnis in Untersuhaft. Dann war er tot.

Wucht an der Bucht

Das ist ein gestandener Mann von Statur.“ Mit dieser Kurzformel begründete der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Kieler Ratsversammlung, Siegfried Zimmermann, das erneute Votum der Genossen für „ihren“ Oberbürgermeister Günther Bantzer.

Als die „Hindenburg“ brannte

Die Katastrophe, dieses Schlagzeilengeschehen des Tages, schrumpft in der Jahrhundertperspektive der Geschichte zur Fußnote.

Normaler Rekrut

Die Übernahme neuer sozialer Rollen vollzieht sich stets auf dem Hintergrund der bisherigen Lebensgeschichte einer Person...

Spanische Praxis

In einem von Juan Ortega verfaßten Artikel, der am 20. September in Ihrem geschätzten Blatt erschien, stehen verschiedene Anspielungen auf meine politische Haltung.

Ein Mann, ein Traum, drei Tote

Francis Scott Fitzgerald war mit und neben Ernest Hemingway der größte Alkoholiker der amerikanischen Literatur (und manchmal tranken die beiden auch zusammen, in Paris zum Beispiel).

Die Kontroverse um „Kontinent“: Grass hat recht behalten

Getuschelt hatten es viele; Günter Grass (ein Mann, den anzugiften unter Linken wie Rechten inzwischen eine Art bedingter Reflex geworden ist) war der einzige, der den Mut aufbrachte, es laut zu sagen: Vor vierzehn Tagen, in einem an Sinjawskij und Solschenizyn gerichteten, auch in der ZEIT veröffentlichten Offenen Brief gab er den exilierten russischen Schriftstellerkollegen zu bedenken, ob es richtig gewesen sei, für ihre neue Ost-Emigrantenzeitschrift „Kontinent“ ausgerechnet beim Springer-Konzern Anlehnung zu suchen.

Zeitmosaik

Bis vor ein paar Jahren wußte man kaum etwas von ihnen. Die Landestheater – sie waren eine kaum beachtete, meist bemitleidete Randerscheinung des deutschen Theaters, Inbegriff für Tournee-Elend und Schmierenseligkeit.

Blick zurück im Luxus

Neue Situationen suchen nach ihrer verbalen Entsprechung. Auf dem Buchmarkt ist neuerdings von „Verschlankung“ die Rede, womit gewisse rezessive Tendenzen im Verlagswesen umschrieben werden.

Kunstkalender

Hermann Finsterlin, Architekt, Maler und auch Schreiber, war immer ein Außenseiter, Einzelgänger, auch wenn er gelegentlich und zwischenzeitlich Bewunderer, Jünger oder Snobs fand, die seine blühenden Texte goutierten und seine phantastischen Architekturentwürfe für eine schönere Märchenwelt ernst nahmen.

Ein Zeichen setzen

Vorstand und Präsidium eines eingetragenen Vereins tagen. Auf der Tagesordnung stehen die üblichen Rechenschaftsberichte, Diskussion des letzten Kongresses, Vorbereitung des nächsten, Zuwahlen neuer Mitglieder.

Die neue Schallplatte

„It’s Only Rock’n’ Roll“ ist die kompromißlose Rückkehr der Stones zu den Ursprüngen ihrer Musik: Keith Richards fast schon lehrbuchhaft zu nennende Demonstration der Kunst auf der Rhythmusgitarre; in der thematischen Vielfalt eine ähnlich geschlossene Leistung wie „Beggars Banquet“ und das vielfach unterschätzte Doppelalbum „Exile Ort Main St.

Der Regisseur soll ein Autor sein

Luc Bondy ist 26 Jahre alt und schon ein Superlativ – der „am meisten gefeierte Nachwuchsregisseur“ (so das Kulturmagazin TTT in der vergangenen Woche).

Gestörte Triebe

Es sollte alles ganz anders werden. Einen deutschen Polizisten mit Humphrey-Bogart-Touch, einsam, zynisch, zur Not auch brutal, das werde er spielen, ließ „Derrick“-Darsteller Horst Tappert wissen; einen Anti-„Kommissar“ sozusagen.

Hoffnung auf schnelles Geld

Eine Seltenheit in unserem Wirtschaftsleben, wo wir nur stöhnen über ständig steigende Preise und Kosten: Schallplatten werden immer billiger, und dies, obwohl Herstellung, Löhne, Honorare und Vertrieb in der Bundesrepublik nach Auskunft der Plattenfirmen ständig teurer werden.

Filmtips

„Lebendig begraben“ von Roger Corman, der erst vor zehn Jahren von der Kritik wiederentdeckt wurde, vor allem durch seine Filme nach Edgar Allan Poe.

Es darf gelacht werden

Zuerst war eine große Stille in Japan. Auch ich habe zunächst geglaubt: Das kann doch nur eine Falschmeldung sein. Da hat jemand den Namen Sato aufgeschnappt, und daß ein Mann namens Sato den Friedensnobelpreis bekommen haben soll.

Die jüngste Matrone der Welt

Klein ist sie, blaß und unscheinbar. Sie hat eine Vorliebe für Kleider, die sie entstellen. Sie ist steif und wirkt langweilig.

Was ist eine Korrelation?

Eine Korrelation, so steht es im Wörterbuch, ist eine Wechselbeziehung. Leider ist diese Definition zwar richtig, aber so nichtssagend, daß sie den Ausflug ins Vorfeld der statistischen Mathematik nicht erspart.

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