• Sie haben marktstarken Unternehmen in Industrie und Handel Verfälschung des Wettbewerbs durch Druck auf die Preise der Hersteller und Lieferanten vorgeworfen. Wem schadet es, daß große Handelsunternehmen Anbieter zu Prieszugeständnissen zwingen?

Grüner: Unser Katalog wettbewerbsverzerrender Praktiken berührt nicht den Preiswettbewerb, der wesentliche Voraussetzung für eine möglichst günstige Versorgung des Verbrauchers und auch einer erfolgreichen Stabilitätspolitik ist. Das „Sündenregister“, wie es überall heißt, richtet sich vielmehr gegen Geschäftspraktiken, die den Leistungswettbewerb durch Ausnutzung von Marktmacht verfälschen.

Der Verbraucher hätte am allerwenigsten etwas davon, wenn durch derartige Verdrängungsstrategien auf den verschiedenen Wirtschaftsstufen leistungsfähige kleine und mittlere Unternehmen aus dem Markt gedrängt würden und letztlich nur noch wenige Großunternehmen die Preise diktieren könnten.

  • Der Verbraucher profitiert davon, daß große Handelsunternehmen bei ihren Lieferanten besserer Konditionen durchsetzen können. Besteht nicht die Gefahr, daß sich der Handel die bei einer Änderung des Kartellrechts vielleicht verlorengehenden Einkaufsvorteile durch Preiserhöhungen vom Verbraucher zurückholen muß?

Grüner: Unser „Sündenregister“ hindert Großunternehmen in keiner Weise daran, bei ihren Lieferanten leistungsbedingte Vorteile zu erzielen. Dem Handel gehen also nicht Einkaufsvorteile verloren, sondern es geht uns um den Abbau nicht markt- sondern machtbedingter Sonderleistungen, die überdies in den Verbraucherpreisen keinen zurechenbaren Niederschlag finden.

  • Glauben Sie, daß die Einschränkung des Preiswettbewerbs ein geeignetes Mittel ist, um den Kleinbetrieben des Handels das Überleben zu erleichtern?

Grüner: Eine „Naturschutzpark“-Politik kommt für uns nicht in Frage. Gerade auch im Interesse des Verbrauchers muß aber die Wettbewerbspolitik auf ausgewogene Unternehmensstrukturen achten. Dazu gehört auch eine breite Schicht leistungsfähiger kleiner und mittlerer Unternehmen. In diesem Sinne ist die Abwehr von Machtmißbräuchen marktstarker Unternehmen ebenso wichtig wie die Förderung der leistungssteigernden Kooperation kleiner und mittlerer Unternehmen. Sie wissen, daß dieser Gedanke des strukturellen Nachteilsausgleichs einer der Schwerpunkte des neuen Kartellrechts ist.