Katastrophen-Prosa

Herbert Achternbusch: „Die Stunde des Todes“ – Beschreibung eines unbeschreiblichen Buches

Von Benjamin Henrichs

Ich lag auf der Kautsch und sah düster zum Fenster hinaus. Ich hörte den Lärm der Technik herein und spürte, wie stark ich mit jedem Atemzug sein mußte, mich nicht zu Grunde richten zu lassen. Ich wartete auf die Finanzierungszusagen für meinen Film. Bei abschlägigen Bescheiden wollte ich in den Redaktionen und Büros bleiben, bis mich die Polizei hinaustrüge. Man würde schon merken, daß hier einer was will und um seine Chance kämpft. Ich dachte wieder und wieder in den Bildern des Films und spürte, wie ich mit Energie aufgeladen wurde, und wenn ich keine Möglichkeit, sie auf die gewünschte Art, im Film, abzuarbeiten, bekam, würde ich gewalttätig werden.“

Herbert Achternbusch, 36 Jahre alt, hat sein siebtes Buch geschrieben –

Herbert Achternbusch: „Die Stunde des Todes“, Roman; Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 1975; 154 S., 18,– DM.

„Die Stunde des Todes“ – so, oder so ähnlich heißen Abenteuerbücher, Trivialromane, und so ähnlich heißen auch viele Filme. Vielleicht wird es den Film „Die Stunde des Todes“ bald im Kino geben, und Herbert Achternbusch ist sein Regisseur. Denn es drängt diesen (vielgelobten, zu wenig gelesenen) Schriftsteller ganz mächtig zum Film. Seine Drohung ist unüberhörbar: Erlaubt man es ihm nicht, seine Energien filmend loszuwerden, dann bleibt ihm nur noch eine Alternative: Filmen oder Morden. Behauptet er.

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Man sollte die düsteren Drohgrimassen, die Achternbusch in seinem Buch vorführt, nicht gleich als bloße Kraftmeierei, als Schriftstellerulk abtun. Denn in Achternbusch verbinden sich zwei durchaus explosive Eigenschaften: der Spaß an der Gewalt und die Liebe zum Kino. Achternbusch ist ein Cineast, und Achternbusch ist ein Terrorist.

Cineast ist er in des Wortes rauschhafter Bedeutung – das heißt, er ist befallen von jener milden Form von Debilität, die fast alle radikalen Filmsüchtigen befallen hat: Im Kino reißt man die Augen auf, draußen, vor der Welt, macht man sie zu. „Da ich ohne Geld keinen Film machen konnte, hatte ich nur noch Lust, zu leben wie in einem Film.“

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