Posten-Schacher
Für das Amt des Wehrbeauftragten war Werner Buchstaller die schlechteste Wahl, für den Vorsitz im Verteidigungsausschuß ist er nun der erste Anwärter. Das läßt sich mit Vernunft nicht mehr, nur noch mit Fraktionskumpanei erklären. Selbst jene, die bislang vermuteten, der Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner habe Buchstaller mit Aplomb auf die Nase fallen lassen wollen, als er ihn zweimal seiner Fraktion aufs Auge und dem sicheren Durchfall im Parlament entgegen drückte, werden nun zugeben müssen, daß sie sich getäuscht haben.
Nach „eingehender Erörterung“, so der SPD-Fraktionsvorstand, soll Buchstaller, dem Kompetenz und Fähigkeit gleichermaßen bestritten werden, Vorsitzender in einem der wichtigsten parlamentarischen Ausschüsse werden. Das ist eine Zumutung. Dabei wiegt noch am geringsten, daß der Ausschußvorsitzende in gewisser Weise der Vorgesetzte des Wehrbeauftragten Willi Berkhan ist, dem sogar die Opposition Begabung und Qualifikation bescheinigt hat.
Schlimm ist, daß ein wichtiges Amt ganz offen im Fraktionsschacher als Wundpflaster mißbraucht wird. Schlimmer ist, daß die größte Fraktion des Bundestages dieses Spiel mitmacht. Offenbar gibt es kein Mittel, diese dreiste Posten-Vergabe, neuerdings auch an unverdiente Genossen, zu verhindern. Wie soll das Ansehen des Bundestagesjemals wachsen, wenn seine politischen Repräsentanten geradezu mutwillig alles tun, um es zu zerstören? E. N.






