Les intellectuels allemands ne peuvent pas faire caca ni pipi sans des ideologies.

Max Ernst 1920

Gold und Ehre in Cannes

Allerorten mauschelt, kungelt und buhlt die Kinoindustrie um Filmpreise oder -prämien, um die Ergebnisse dann als esoterisch, publikumsfremd und kinofeindlich abzutun – in diesem Sinn wird zur Zeit in der Fachpresse der Deutsche Filmpreis kommentiert. Der Oscar dagegen oder das Filmfestival von Cannes waren seit je fest in der Hand der Industrie, die Auszeichnungen waren meist „geschäftskonform“. Hat Jeanne Moreau, engagierte Präsidentin der diesjährigen Jury in Cannes, eigene politische Vorstellungen durchgesetzt? Die „Goldene Palme“ ging an „Chronik der Jahre der Glut“, ein nicht gerade frankreichfreundliches Monumentalepos über den algerischen Freiheitskampf, von Mohammed Lakhdar Hamina. Und den Regiepreis teilen sich zwei harte Anklagen gegen Fälle korrupter Justiz: Costa-Gavras’ „Section speciale“ über das Pétain-Regime und Michel Brauks „Les Ordres“ über brutale Maßnahmen gegen separatistische Franco-Kanadier. Demonstrativ mit drei Preisen geehrt wurde in Cannes Werner Herzogs Kaspar-Hauser-Film „Jeder für sich und Gott gegen alle“: Großer Sonderpreis der Jury, Preise des internationalen Kritikerverbandes und der ökumenischen Jury – nach Fassbinders Cannes-Erfolg im letzten Jahr ein weiterer Beweis für das Renommee des neuen deutschen Films.

Hundertmal „Profitopolis“

Weder Wend Fischer, der Direktor der Neuen Sammlung in München, des besten und ereignisreichsten Kunstgewerbemuseums der Bundesrepublik, noch der enragierte Düsseldorfer Architekt Josef Lehmbrock hatten sich diesen sensationellen Erfolg je vorstellen können: Ihre Ausstellung „Profitopolis“, eine Abrechnung mit den Städtebaupraktiken der Gegenwart, hat soeben in Ludwigsburg ihre 100. Station erreicht. Sie hatte 1972 in München ihre Premiere gehabt und ist seitdem in 55 deutschen und – organisiert vom Goethe-Institut – in 45 ausländischen Städten gezeigt worden, in Italien ebenso wie in Thailand, in Finnland wie im Iran, selbst die Vereinigten Staaten haben das $-Zeichen im Titel nicht als pauschale Diffamierung mißdeutet wie der deutsche Botschafter in Dänemark, der deswegen die Ausstellung in Kopenhagen verhinderte. Gegen seine Forderung, den Verkauf des Katalogs, der die Texte der Ausstellung wiedergibt, im Ausland generell zu verbieten, hatte vor allem der deutsche Kulturattaché in dem angeblich verunglimpften Land, den USA, Einspruch erhoben. Die Ausstellung, deren Erfolg sicherlich den lebhaften Auseinandersetzungen zuzuschreiben ist, die sie hervorgerufen hat, und wohl auch ihrem treffenden Titel, geht weiter. Nächste Stationen sind dreizehn Städte in Brasilien, Frankreich, England, Australien und in Neuseeland.

Zadek ändert das System