Haben wir es nicht immer an unseren Eltern kritisiert – das bundesdeutsche Lebensziel? Haben wir es nicht als spießbürgerlich und kleinkariert empfunden, wenn sie mit ihrem materiellen Erfolg auch ihr menschliches Glück zu verwirklichen glaubten? Die Kritik war berechtigt, und heute wissen auch viele der „älteren Generation“, daß finanzieller Erfolg oftmals mehr zerstört als aufbaut.

Doch hier muß auch die Kritik an vielen von uns ansetzen. Wir haben verurteilt, abgelehnt, ohne eigene Alternativen anbieten zu können. Wir haben uns Vorbilder gesucht (und ihnen nachgeeifert), die nur in moderner Form das verkörpern, wonach auch unsere Eltern immer strebten – Erfolg.

Jeder von uns braucht ein Lebensziel, doch dafür müssen wir uns endlich von überholten Wertvorstellungen lösen. Wir dürfen einen Menschen nicht mehr länger nach dem „was ist er?“, sondern „wie ist er?“ beurteilen. Erst dann kann man sich seiner eigenen Qualitäten wirklich bewußt werden und sein Lebensziel auf sie abstimmen. Frank Laue, 19 Jahre

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Jeder Mensch braucht ein Lebensziel. Erst die übergeordnete Aufgabe, auf die er all’ seine Gedanken und Handlungen ausrichten kann, gibt seinem Dasein Sinn und ihm persönlich die Kraft, gegenüber den Anforderungen und sogenannten „Realitäten“ des Lebens zu bestehen. Jedoch sollte dieses Ziel, diese Aufgabe, niemals zum Selbstzweck werden, der den ohnehin schon viel zu unfreien Menschen in neue Abhängigkeiten führt und dessen unbedingter Erfüllung er sich selbst knechtisch unterwirft, sondern das Ziel sollte freiwillig und selbstgewählt und sein Erreichen gehofft, gewünscht und angestrebt, aber niemals lebensnotwendig sein.

Otto Teischel, 20 Jahre

Wenn es auch nicht unbedingt das Lebensziel sein muß, so benötigt jeder Mensch doch wenigstens Etappenziele, die seinem Handeln einen Sinn geben.