Ulf Cloppenburg: Firmenausschläehter mit Fortune
Als sich Uif Cloppenburg vor vier Jahren an die Hannoveraner Kämmerei Döhren AG heranmachte, war der Sproß der rheinischen Kaufmannsdynastie Peek & Cloppenburg trotz seiner erst 32 Jahre bereits ein Finanzprofi.
Der Doktor der Betriebswiftschaft hatte sich nach dreieinhalbjähriger Ausbildung bei Karstadt und einem Intermezzo in der Geschäftsführung einer familieneigenen Textilfabrik mit Kredit und zwei Millionen Mark, die er 1969 als Erbabfindung erhalten hatte, so erfolgreich bei der kränkelnden Pongs & Zahn AG in Viersen engagiert, daß der Aktienkurs der Damenkonfektionsfirma binnen Jahresfrist um mehr als 300 Prozent stieg. Ende 1971, als Cloppenburg von Pongs & Zahn wieder schied und sein Aktienpaket verkaufte, kassierte er dafür 4,5 Millionen Mark —■ eineinhalb Millionen mehr, als er dafür bezahlt hatte.
So vortrefflich dieses Gesellenstück auch war, sein Coup bei der Textilfabrik Kämmerei Döhren geriet Jung-Cloppenburg zum frühkapitalistischen Meisterstück. Als Galionsfigur einer anonymen Käufergruppe, die sich hinter Gerlings inzwischen zusammengebrochenem Bankhaus Herstatt formiert hatte, kaufte er für sich und seine Dunkelmänner für fünfzehn bis zwanzig Millionen Mark drei Viertel des Kapitals der ertragsschwachen hannoverschen Wollkämmerei. Im April 1972 ließ sich Cloppenburg in den Döhren-Vorstand heben. Im November desselben Jahres — der Kurs für die Tausend-Mark-Aktie, der Anfang des Jahres 1972 noch bei 1750 Mark lag, war inzwischen auf 6500 Mark gestiegen — verkündete er die Schließung der 1872 gegründeten „Wolle Döhren". Bereits im Januar 1973 hatte der clevere Cloppenburg die zuletzt noch rund 400 Beschäftigten fast alle entlassen, den .74^ Hektar großen Grundbesitz des Unternehmens als Bauland für rund 50 Millionen Mark an die gewerkschaftseigene Neue Heimat Bremen verkauft und die noch kurz zuvor neu erworbenen Maschinen des Textilbetriebs für etwa zehn Millionen Mark an die Konkurrenz verscherbelt.
■Mit mehr als 60 Millionen in der Kämmereikasse suchte der erfolgreiche Firmenaussehläditer zunächst nach weiteren profitablen Textil-Beteiligungen. Doch noch im Januar 1973 ließ Cloppenburg dann die Kämmerei Döhren für 36 Millionen Mark zwei Drittel der Aktien der Kamerun-Eisenbahn-Gesellschaft erwerben, die der Berliner Computerund Abschreibungsunternehmer Günter Wagner kontrollierte. Wagner wiederum kaufte über seine Anlagentechnik KG noch im selben Jahr drei Viertel des Döhren-Aktienkapitals.
Ulf Cloppenburg ließ sich Ende September 1973 als Kämmerei-Vorstand beurlauben. Heute ist von den 60 Millionen Mark, die er flüssig gemacht hatte, bei der Kämmerei Döhren fast nichts mehr da.
- Datum 22.8.1975 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 22.08.1975 Nr. 35
- Empfehlen E-Mail verschicken | Facebook, Twitter, Buzz …
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






