Buchmarkt: Kritisches vom Syndikat
Ein neuer Verlag in Frankfurt will wissenschaftliche Bücher billiger machen
Vor fünf Jahren glaubte eine Reihe deutscher Verleger, eine neue Goldmine entdeckt zu haben: das wissenschaftliche Taschenbuch. Nacheinander gründeten sie mit hohen Kosten und großem publizistischen Aufwand umfangreiche Taschenbuchreihen, die den scheinbar wachsenden Bedarf an wissenschaftlicher Literatur, vor allem an kritischer Theorie, befriedigen sollten.
Mittlerweile ist der Goldrausch verflogen. Denn die Nachfrage, schon in den gesellschaftskritischeren Gründungsjahren vielfach überschätzt, sank in letzter Zeit rapide. An den Universitäten ist heute praktische Ausbildung, kaum noch kritische Theorie gefragt. Die Verleger zogen daraus die Konsequenzen: die Programme wurden eingeschränkt, einige Reihen sogar ganz gestrichen.
Gegen diesen Strom der Anpassung wollen nun zwei ehemalige Mitarbeiter des Frankfurter Suhrkamp Verlages schwimmen. Axel Rütters und Karl Markus Michel, der vor allem als Herausgeber der im Rotbuch-Verlag erscheinenden Zeitschrift Kursbuch bekannt ist, gründeten in Frankfurt unter dem gemeinsamen Namen „Syndikat“ einen Verlag für kritische Wissenschaftsliteratur, dessen Programm à la Suhrkamp von der Wissenschaftstheorie über die Sprach- und Literaturwissenschaft bis hin zu den Sozialwissenschaften reichen soll. Darüber hinaus will Syndikat Bücher zu aktuellen, vor allem hochschulpolitischen Themen bringen und schließlich auch eine wissenschaftliche Buchgemeinschaft organisieren. In der Buchgemeinschaft sollen – zu einem um 25 bis 30 Prozent ermäßigten Preis und mit halbjährlichem Abstand – die Titel des eigenen Verlags, aber auch Lizenzausgaben anderer Häuser erscheinen.
Mit ihrer Neugründung wollen die beiden Jung-Verleger, die als Zielgruppe insbesondere Studenten älterer Semester, den akademischen Mittelbau und die Professoren im Auge haben, nicht nur ein neues Forum für kritische Wissenschaft schaffen, sondern auch das Problem lösen, diese Literatur gezielt an die noch immer Interessierten heranzubringen.
Für den Verlag bedeutet das die Rückkehr zu traditionellen Vertriebsformen. Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Taschenbüchern, die auch über das allgemeine Sortiment gehen, werden die Bücher des Syndikat-Verlags nur an den akademischen Buchhandel ausgeliefert. Die Erstauflagen sollen marktgerecht zwischen 2000 und 8000 Exemplare erreichen.
Für die Bundesrepublik neu dagegen ist die inhaltlich spezialisierte Buchgemeinschaft. Für sie müssen die beiden Verleger 10 000 bis 15 000 Mitglieder gewinnen, um rentabel arbeiten zu können. Der Mitgliedsbeitrag wird 60 Mark pro Jahr betragen.



