Filmtips

Sehenswert

„Nehmen Sie es wie ein Mann, Madame!“ von Mette Knudsen, Elisabeth Rygaard und Li Vilstrup. In den ersten 30 Minuten wird minuziös der Alltag einer fünfzigjährigen dänischen Hausfrau protokolliert, die banale Qual zwischen Hausputz und muffeligem Mann, verklemmter Repräsentation und heimlichem Griff zur Flasche. Und dann erträumt sich Frau Rasmussen eine verzweifelte Utopie: Die Frauen schlüpfen in etablierte Männerrollen, tätscheln beim Diktat als Chefin den hübschen Sekretär, kosten jene schalen Privilegien aus, die dem anderen Geschlecht vorbehalten scheinen. Über plane kabarettistische Scherze hinaus verdeutlicht der Film der dänischen Frauengruppe „Rote Schwestern“ die Absurdität herkömmlicher Rollenverteilungen. Die Autorinnen plädieren freilich nicht für die bloße Umkehrung der herrschenden Verhältnisse, die nur zur Festschreibung neuer Abhängigkeiten führen würde, sondern entwickeln im Schlußteil eine realistische Alternative für ihre Heldin: Frau Rasmussen erlernt einen Beruf, übt sich in Solidarität mit anderen Frauen. „Nehmen Sie es wie ein Mann, Madame!“, ein ebenso intelligenter, präzis beobachteter wie spielerisch heiterer Agitationsfilm, läuft in unabhängigen Kinos.

„Jakob, der Lügner“ von Frank Beyer nach dem Roman von Jurek Becker. Überleben im Getto: Jakob, der Lügner, macht seinen jüdischen Leidensgenossen Mut für den Alltag, indem er erfundene Nachrichten vom Näherrücken der Russen verbreitet. Jakobs imaginäres Radio wird zum Zentrum einer kollektiven Hoffnung, bis zum Abtransport in die Gasöfen. Behutsam, zärtlich, ohne wohlfeiles Pathos und naheliegende Sentimentalität erzählt Frank Beyer („Nackt unter Wölfen“), einer der besten Regisseure der DDR, von Menschen, die inmitten von grauenhafter Unmenschlichkeit zu existieren versuchen. Seine bemerkenswerte Qualität bezieht dieser leise Film nicht zuletzt aus einer Fülle von hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Vor allem der Tscheche Vlastimil Brodsky, 1975 mit dem Darstellerpreis der Berlinale ausgezeichnet, und Erwin Geschonnek vom Berliner Ensemble überzeugen mit Charakterstudien fern von larmoyanten Klischees. (ARD, 7. März).

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Mittelmäßig

„Der Mann, der König sein wollte“ von John Huston. Vor mehr als zwanzig Jahren schon wollte Huston Rudyard Kiplings Erzählung über zwei Glücksritter aus der britischen Indien-Armee verfilmen, die in einem Land am Ende der Welt ihr eigenes Reich gründen und schließlich heroisch scheitern. Damals sollten Clark Gable und Humphrey Bogart die Hauptrollen spielen, jetzt treten Sean Connery und Michael Caine an zum langen Marsch in das große Abenteuer. Huston freilich, dem 1971 mit „Fat City“ noch einmal ein eindrucksvolles Comeback gelang, vernachlässigt die tragische Dimension der Geschichte zugunsten einer opulent-gefälligen, mit allerlei modischem Schnickschnack aufgeputzten Inszenierung voll von selbstgefälligen Reminiszenzen an des Regisseurs eigenen „Schatz der Sierra Madre“.

Empfehlenswerte Filme

„Carmen“ und „La Traviata“ von Walter Bockmayer, „Der Traumtänzer“, mit Harold Lloyd, von Clyde Bruckman. „To Have and Have Not“ von Howard Hawks. „Es herrscht Ruhe im Land“ von Peter Lilienthal. „Pookie“ von Alan J. Pakula. „Sommergäste“ von Peter Stein, „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders. Hans C. Blumenberg

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