Aber die Holländer reden nicht gerne über die Lockheed-Krise

Von Nina Grunenberg

Auf diesen Säulen ruht das Haus Oranien“, entgegnete Königin Juliana einmal zwei Offizieren, die sich – im Glauben, unbelauscht zu sein – bei einem Derby über die stabilen Beine der Monarchin mokiert hatten.

Aus dieser Stabilität hat nicht nur das Oranierhaus, sondern das ganze Land Nutzen gezogen – dies ist eine der wenigen Überzeugungen, die eine Mehrheit der im allgemeinen hochgemut auf ihre Individualität pochenden Holländer heute noch teilen kann. Mögen sie die Macht eines einzelnen auch sonst, schon aus Prinzip, mißtrauisch beargwöhnen: Daß es Juliana Louise Emma Marie Wilhelmina, Königin der Niederlande, seit fast 28 Jahren gelungen ist, die Krone als einigendes Symbol über einer sich immer mehr zersplitternden und polarisierenden Gesellschaft hochzuhalten, ist ein Verdienst, das ihr persönlich hoch angerechnet wird;

Für die Wertschätzung, die sie auch unter den regierenden Sozialisten genießt, ist es hilfreich, daß die ein wenig schüchterne, freundlich-betuliche Königin nur für ein paar Dutzend extreme Traditionalisten als Monarchin „von Gottes Gnaden“ existiert. Vom Rest des Volkes wird sie eher als eine Art höchster Beamter des Landes angesehen – nicht übertrieben geliebt, doch auch nicht leichtfertig unterschätzt; dafür ist das Oranierhaus zu tief in der holländischen Nation verwurzelt. Zwar ist die Krone jüngeren Datums als die Republik der Niederlande, aber seit Wilhelm der Schweiger 1568 sich an die Spitze des Aufstandes gegen die spanische Kolonialmacht setzte, haben sich die Holländer in Krisenzeiten noch stets auf die Oranier verlassen können. Sie werden respektiert, nicht die Monarchie. „Es ist nicht so“, erklärte mir ein hoher Beamter im Haag ernsthaft, „daß wir uns einen neuen König suchen würden, wenn das Haus von Oranien zu Ende ginge.“

Aber das ist zur Zeit die geringste Sorge der Niederlande. Zum Defilee am 67. Geburtstag der Königin sind dieses Jahr 4500 Bürger, von den jüdischen Kriegsopfern über den örtlichen Kindergarten bis zur Abordnung der Universität von Leyden, Julianas Alma mater, nach Schloß Soestdijk gekommen, 750 mehr als in den vergangenen Jahren, wie die königstreue Boulevardpresse zufrieden vermerkte. Attraktion waren dabei die elf Enkelkinder des Hauses: Zum Entzücken der Zuschauer kugelten sie zwischen den Beinen der Erwachsenen herum und bemächtigten sich der Blumensträuße der Gratulanten. Soviel junges Gemüse haben die Oranier ihren Anhängern schon seit hundert Jahren nicht mehr vorweisen können.

Mut zum Weitergehen