Die Rettungsversuche bei der Bielefelder Registrierkassenfabrik sind gescheitert. Nun reißt sich die Konkurrenz um die Anker-Kunden.

Auch im zweiten Anlauf sind die Dresdner Bank und die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) dabei gescheitert, die niedergebrochenen Bielefelder Anker-Werke wenigstens in ihrer Substanz zu retten. „Wenn ich das Wort Partner nur höre“, so erregt sich Karl-Ludwig Bresser, Dresdner-Bank-Vorstandsmitglied und glückloser Anker-Sanierer, „fange ich an, rote Sterne, zu sehen.“

Die Hoffnung nämlich, daß sich nach dem Konkurs der Registrierkassenfirma Ende April wenigstens Interessenten für die mit Hilfe der beiden Banken gegründete Auffanggesellschaft ADS Anker-Data-System-GmbH finden würden, hat getrogen. Auch diese – offenbar allzu überstürzt – für Vertrieb und Service ins Leben gerufene Firma mußte nun Vergleich anmelden.

Im In- und Ausland sind bei Kunden mehr als 500 000 Anker-Registrierkassen installiert; davon über die Hälfte in der Bundesrepublik, wo die Bielefelder einen Marktanteil von rund 30 Prozent hinter der Augsburger NCR-National Registrierkassen GmbH mit 50 Prozent hielten. „Jetzt beginnt“, so Bresser, „die Leichenfledderei.“ Die einstigen Anker-Konkurrenten, NCR an der Spitze, werden, die Anker-Kunden umwerben und ihnen Wartung und Ersatzteildienst anbieten – um sie künftig nur um so sicherer mit eigenen Anlagen beliefern zu können.

Deshalb wird es die „Schweizer Gruppe“, die nach Ankündigung des Konkursverwalters Horst Klein den Kundendienst und damit einen Teil der Anker-Organisation übernehmen will, recht schwer haben. Branchenbeobachter erwarten zudem, daß nun im oberen Produktbereich, also bei den teuren elektronischen Systemkassen, Tor allem die beiden Newcomer IBM und Nixdorf Terrain gewinnen werden.

Aber auch der deutscie NCR-Boß Friedrich-Franz Herzog will alle Anstrengungen unternehmen, um seine unverhoffte Chance gerade sei anspruchsvollen Anker-Kunden (wie etwa Warenhauskonzernen) zu nutzen. Dabei kann er vermutlich den Ersatzteildienst übernehmen, ohne auf die Bielefelder Bestände zurückgreifen zu müssen: NCR hat in den letzten Monaten, so weiß die Branche, genug alte Anser-Kassen in Zahlung genommen, um sie jetzt für diesen Zweck ausschlachten zu können.

In Bielefeld selbst läßt sich der Betrieb höchstens noch für einige Monate, und auch das nur in kleinem Umfang, aufrechterhalten. Der Hauptkunde Siemens will so bald wie möglich die bisher von Anker bezogenen Barken-Terminals selbst produzieren.

Nur für eine Übergangszeit brauchen die Münchner dazu die Bielefelder Mannschaft. Sie ist inzwischen auf rund 420 Mitarbeiter geschrumpft; in der vergangenen Woche wurde der größte Teil der 2000 Beschäftigten entlassen. Zur Anker-Belegschaft insgesamt zählten zuletzt 5300 Menschen, davon über 2000 im Ausland.