Perus Offiziere unter Druck
Die peruanische Militärregierung gerät unter Druck – nach Proteststreiks, Demonstrationen nun auch ein Putschversuch aus den eigenen Reihen.
Die Rebellion der Militärakademie von Chorillos, wenige Kilometer von der Hauptstadt Lima entfernt, wurde am vergangenen Wochenende nach einer kurzen Schießerei beendet. Der Kommandant und seine zu ihm haltenden Offiziere ergaben sich loyalen Truppen.
Der gegen die Chorillos-Rebellen erhobene Vorwurf, sie hätten die „institutionelle Einheit“ der Streitkräfte untergraben wollen, deutet die Gründe nur an. Der General hatte nämlich gegen die Beschlüsse protestiert, mit denen Peru seine Wirtschaft sanieren will (und anschließend den verlangten Rücktritt verweigert): Abwertung des Sol um fast 45 Prozent, Mehrwertsteuer-Erhöhung von 17 auf 20 Prozent, drastische Preiserhöhungen (bei Benzin etwa auf 220 Prozent). Die dekretierten Lohnsteigerungen von 15 Prozent werden von der galoppierenden Inflation (1976: über 30 Prozent) aufgefressen.
Der wirtschaftliche Restriktionskurs hat dem linken Flügel des Offizierskorps Auftrieb gegeben. Präsident Morales Bermudez, 1975 durch einen unblutigen Putsch an die Macht gekommen, mußte seitdem eingeleitete Liberalisierungsmaßnahmen widerrufen: So wurden wieder zwölf Zeitungen verboten (ebenfalls mit der Begründung, sie hätten Zwietracht in der Armee gesät) und kritische Journalisten verhaftet: Das peruanische Experiment einer linksnationalistischen Revolution ist wieder in eine schwere Krise geraten.
Ein Anlaß ist sicher die Finanzmisere. Peru muß rund 30 Prozent seiner Exporterlöse für den Schuldendienst aufwenden (die Außenverschuldung liegt bei 3,7 Milliarden Dollar), und das Handelsdefizit betrug 1975 rund 1,1 Milliarden Dollar. Der Preisverfall für Kupfer, das jahrelange Ausbleiben der für die Fischindustrie wichtigen Anchovisschwärme haben die Krise verschärft.
Doch darüber hinaus stockt die Revolution im Innern. Die Arbeitsdisziplin läßt nach und die weitgehende Mitbestimmung in den Betrieben lähmt die Investitionslust. Parallel dazu sinken Autorität und Glaubwürdigkeit der Regierung. Die „harten Militärs“ wittern wieder Morgenluft. H.B.




