Amerika ist im Begriff, größter Handelspartner des Iran zu werden und die Bundesrepublik deutlich auf den zweiten Platz zu verweisen.

Außenminister Kissinger und Wirtschaftsminister Ansary haben am vergangenen Wochenende in Teheran ein Kommuniqué über langfristige Zusammenarbeit unterschrieben, das zwischen 1975 und 1980 einen Güteraustausch im Werte von 50 Milliarden Dollar vorsieht. Die Vereinigten Staaten wollen Waren und Dienstleistungen für 34 Milliarden Dollar exportieren, Persien soll andere Güter, hauptsächlich Erdöl, liefern.

Der Handel wird nach 1980 weiter zunehmen, sobald der Vertrag über die Lieferung von acht amerikanischen Kernkraftwerken zustande kommt. Nach Kissingers Worten ist der Iran jetzt bereit, auf die Wiederaufbereitung des Reaktorbrennstoffes im eigenen Lande zu verzichten; die beabsichtigte Rückführung der verbrauchten Brennelemente nach Amerika soll den Persern vergütet werden. Am Beispiel Persiens wollen die Amerikaner beweisen, daß Export von Nukleartechnologie möglich ist, ohne den Mißbrauch zu militärischen Zwecken zu riskieren.

Kissinger konnte für das Weiße Haus und für den Kongreß sprechen, als er Anfang dieser Woche Pakistan hart vor die Wahl stellte: entweder das Reaktorenge-Wahl mit Frankreich, das Anlagen für den vollen Brennstoffzyklus einschließen soll, oder weitere amerikanische Wirtschafts- und Militärhilfe. Das eine schließe das andere aus.

Als günstige Voraussetzung für die amerikanische Handelsbilanz und als Garantie für einen zuverlässigen Öllieferanten müßte die langfristige Vereinbarung zwischen Kissinger und Ansary in Amerika eigentlich begrüßt werden. Doch Freude will sich nicht recht einstellen. Denn die amerikanischen Iran-Exporte werden bis 1980 wiederum. Waffen im Werte von zehn Milliarden Dollar enthalten, nachdem bereits seit 1972 modernste Rüstungsgüter im Werte von 10,4 Milliarden Dollar geliefert worden sind.

Der außenpolitische Senatsausschuß hat jetzt, Alarm geschlagen: 24 000 Amerikaner, so haben die Senatoren ermittelt, befänden sich bereits im Iran, um die Perser auf ultramoderne Waffensysteme (etwa den Marinejäger F 14) einzuweisen, mit dessen raffinierter Elektronik selbst die amerikanische Marine noch ihre Probleme hat. Bis 1980 wird sich angesichts des gefächerten Waffenarsenals die Zahl der Militärtechniker wahrscheinlich auf fünfzig tausend erhöhen.

Wie aber würde sich Washington in einem Konflikt verhalten, in den der Iran – oder Saudi-Arabien oder Jordanien oder Ägypten, alles Empfänger amerikanischer Waffen, von Israel ganz abgesehen – verwickelt wird? Würden die USA in einem neuen Nahostkonflikt nur eine Seite oder alle Klienten weiter bedienen? Würden ihre Ausbilder dann nicht im Handumdrehen zu Kombattanten? Die Kommentatoren in Amerika fragen in seltener Übereinstimmung: „Haben wir uns, ein Jahr nach Vietnam, nicht schon wieder unter das Joch gefährlicher Verpflichtungen begeben?“

Ulrich Schiller (Washington)