• Herr Reintges, in den deutschen Steinkohlenrevieren türmen sich mehr als zwanzig Millionen Tonnen Kohlen und Koks, die zur Zeit nicht zu verkaufen sind. Gleichzeitig planen die Bergbaugesellschaften den Bau neuer Schachtanlagen. Ist das nicht ein Widersinnt

Reintges: Nein. Die hohen Lagerbestände an Kohle und Koks sind eine Folge der schweren wirtschaftlichen Rezession. So sehr sie die Bergbauunternehmen zur Zeit belasten, so schnell und gründlich verschwinden sie erfahrungsgemäß, wenn der konjunkturelle Aufschwung voll einsetzt. Sie haben sich dann stets als wichtige Energiereserve erwiesen.

Der Bau neuer Schachtanlagen dient dagegen der langfristigen Erhaltung der heutigen Förderkapazität des Steinkohlenbergbaus. Das ist zur Sicherung unserer Energieversorgung notwendig und im Energieprogramm der Bundesregierung vorgesehen. Ein Teil der Kohlenvorräte in den jetzt betriebenen Zechen wird in einigen Jahren zu Ende gehen. Dafür muß Ersatz geschaffen werden.

  • Trotz des Geldzuflusses, den der Bergbau durch die Übernahme von zehn Millionen Tonnen Haldenbeständen durch die öffentliche Hand hat, laufen seine Kassen nicht gerade über, Wie sollen neue Schachtanlagen, die erst nach vielen Jahren Gewinne versprechen, finanziert werden?

Reintges: Die wesentliche Voraussetzung für die solide Finanzierung langfristiger Investitionen ist deren Rentabilität. Die Bergbauunternehmen müssen wie jedes Unternehmen, das langfristig investiert, damit rechnen können, daß sie die Produktion daraus auf genügend lange Sicht zu kostengerechten Preisen absetzen. Unter dieser Voraussetzung können auch neue Schachtanlagen nach den üblichen Grundsätzen und Modellen finanziert werden.

Der Bergbau befindet sich dabei grundsätzlich in derselben Lage wie alle sogenannten Alternativ-Energien zum Öl aus OPEC-Ländern, beispielsweise Nordseeöl, Nordseegas oder auch Uran für die Kernenergie. Auch hier setzt die Finanzierung der notwendigen hohen Investitionen deren langfristige Rentabilität voraus.

  • Die Umweltschützer laufen nicht nur gegen Kraftwerke, sondern auch gegen neue Zechen, die im Ruhrgebiet ausgerechnet in einer Erholungsregion entstehen sollen, Sturm. Ist deshalb nicht mit einer gefährlichen Verzögerung zu rechnen, die eine andere Standortwahl nahelegen könnte?