Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, wirbt Hamburgs Bürgermeister Hans-Ulrich Klose bei Unternehmern: „Wir bieten Geld, Grundstücke und guten Willen an.“ Und Wirtschaftssenator Wilhelm Nölling betont: „Wir werden nehmen, was wir kriegen können“ – vorausgesetzt natürlich, ansiedlungswillige Unternehmen respektieren Umweltschutz und Stadtentwicklungspläne.

Hamburger Zeitungen zitierten solche Äußerungen aus dem Rathaus, als in den letzten Monaten spektakuläre Meldungen über Betriebsschließungen in der Hansestadt Schlagzeilen machten: Die traditionsreiche Werkzeugmaschinenfabrik Heidenreich & Harbeck soll schließen, wodurch rund 600 Arbeitsplätze verloren gehen; und die Firma MAN will ihren Kesselbau einstellen, wo rund 300 Arbeitskräfte beschäftigt sind.

Noch Anfang der sechziger Jahre waren die Hanseaten, reservierter als heute. In der Wirtschaftsbehörde glaubten die Verantwortlichen damals, Hamburg könne sich die Betriebe aussuchen, deren Ansiedlung innerhalb der Grenzen des Stadtstaates erwünscht sei.

So wurden beispielsweise keine besonderen Anstrengungen unternommen, ein VW-Zweigwerk an der Elbe anzusiedeln, als der Wolfsburger Konzern für ein Montagewerk mit damals 5000 Arbeitsplätzen einen Standort an der Küste suchte. Knapp ein Jahrzehnt später griff die Hansestadt mit 240 Millionen Mark Subventionen tief in die Tasche, um eine Aluminiumhütte anzusiedeln, die 1200 Arbeitsplätze versprach.

Als es darum ging, ob Hamburg sich an den Howaldtswerken beteiligt, um dadurch vielleicht Arbeitsplätze im Schiffbau zu erhalten, verzichtete der Senat. Die schleswig-holsteinische Regierung kaufte sich ein mit der Folge, daß der Schiffsneubau des Unternehmens in Kiel konzentriert wurde. In den letzten Maitagen dieses Jahres schnappte Hamburg jedoch für knapp 70 Millionen Mark den Bayern eine Beteiligung an dem Luft- und Raumfahrtkonzern MBB weg, um Einfluß darauf zu haben, daß 5000 Arbeitsplätze beim Hamburger Flugzeugbau gesichert sind.

Regionalpolitisch ist es sicher richtig, Volkswagen in Emden und Schiffe in Kiel zu bauen und damit in diesen industriearmen Gebieten für Beschäftigung zu sorgen, doch würde der Hamburger Senat heute wahrscheinlich härter um die Arbeitsplätze kämpfen. Ein Blick in die Statistiken und vor allem in die Prognosen für das nächste Jahrzehnt hat die Hanseaten davon überzeugt, daß sie in ihrer Ansiedlungspolitik nicht mehr pingelig sein dürfen.