Immer wieder zirkulieren in der Bundeshauptstadt Gerüchte, daß Karl Otto Pöhl, eine der farbigsten Figuren, unter den politischen Beamten in Bonn, sein Amt quittieren und lukrativeren Aufgaben nachgehen wolle – gestimmt hat bislang keines. Weder zog es Pöhl in das Direktorium der Deutschen Bundesbank, noch hat er sich an der Spitze einer Landesbank angesiedelt. Falsch sein dürfte denn auch die neuerdings da und dort auftauchende Vermutung, Pohl werde der neue Mann an der Spitze des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes, des Spitzenverbandes für die Genossenschaftsbanken, in Bonn sein. Pöhl ist für diese Organisation wohl eine Nummer zu groß.

Zwar muß bis spätestens zum Jahresende ein neuer Präsident für die Genossenschaftsbanken gefunden werden, weil dann endlich das längst zur Posse geratene Abschiedsritual des noch amtierenden Präsidenten Horst Baumann abgeschlossen sein soll. Doch die Genossenschaftsbanken, deren politischer Einfluß bislang stets weit hinter ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zurücklag – auf sie entfällt immerhin fast ein Fünftel des Geschäftsvolumens aller deutschen Kreditinstitute – wollen wohl auch künftig einen der ihren über sich haben. Die meisten Chancen hat wohl Franz Bie-> ling, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Im Gespräch ist auch Felix Viehoff von der Deutschen Genossenschaftsbank in Frankfurt der gleiche Mann, der sich zur Zeit lebhaft bemüht, die zu zwei Dritteln dem Bund und zu einem Drittel dem Land Nordrhein-Westfalen gehörende Deutsche Bau- und Bodenbank mit seinem Institut zu fusionieren (siehe Seite 22).

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Die Unionsparteien kommen ihrer Oppositionspflicht, auf eine Klärung der undurchsichtigen finanziellen Aussichten der gesetzlichen Rentenversicherung zu drängen, mit großer Emsigkeit nach. Doch immer deutlicher zeichnet sich ab: Auch eine von CDU und CSU geführte Bundesregierung würde sich um den großen Coup zur Sanierung der Renten-Finanzen drücken.

Würde Hans Katzer wieder Arbeitsminister, so würde eine höchst angebrachte Maßnahme mit Sicherheit unterbleiben: die Verschiebung der nächsten Rentenerhöhung vom 1. Juli 1977 auf den 1. Januar 1978. Obwohl schon allein dieser Schritt genügen würde, die Rentenversicherung wieder auf gesunde Beine zu stellen, hält man ihn in Unionskreisen für indiskutabel. Denn die Union, so heißt es, würde dann öffentlich eingestehen, daß es fahrlässig war, als sie 1972 die Vorziehung der Rentenerhöhung vom Januar auf den Juli durchboxte.

Wahrscheinlich würde eine CDU/CSU-Bundesregierung stattdessen die Kosten der Krankenversicherung der Rentner so massiv auf de gesetzliche Krankenversicherung verlagern, daß die Rentenversicherung dann finanziell über. die Runden käme. Offen bleibt aber, wie die Union und ihr für das Gesundheitsressort vorgesehener Ministerkandidat Heiner Geißler dann noch die Kosten unseres Gesundheitswesens in den Griff bekommen würden, die sich schon jetzt fast noch dramatischer entwickeln als die der Alterssicherung.