Die Deutsche Bau- und Bodenbank, in den vergangenen Jahren bei zahlreichen spektakulären Baupleiten mit von der Partie, wird eifrig umworben: Nach der Deutschen Girozentrale, dem Spitzenkreditinstitut der Sparkassen, interessiert sich nun für das Bundesunternehmen die Deutsche Genossenschaftsbank.

Die Deutsche Genossenschaftsbank (DG Bank), mit einer Bilanzsumme von etwa 23 Milliarden Mark das Spitzeninstitut der 5100 bundesdeutschen Genossenschaftsbanken, interessiert sich mehr als nur platonisch für die Deutsche Bau- und Bodenbank. An der „Bauboden“, die es auf etwa fünf Milliarden Mark Bilanzsumme bringt, sind der Bund mit 67 und das Land Nordrhein-Westfalen mit 25 Prozent beteiligt.

Offiziell ließ DG-Bank-Chef Felix Viehoff verlauten, die Genossenschaftsbank sei an einer Kooperation interessiert, für engere Verbindungen indes habe man noch keine Vorstellungen entwickelt. Ein erstes offizielles Gespräch zwischen dem DG-Bank-Vorstand und Vertretern des Bundesfinanzministeriums vor wenigen Tagen offenbarte aber bereits viel Gemeinsamkeit: Beide Gesprächspartner bezeugten ihr „Interesse in einer vertieften Prüfung dieser Angelegenheit“.

Frankfurter Bankkreise interpretieren die Vorsicht der DG Bank bei der Annäherung an die Bauboden vornehmlich als Rücksichtnahme auf die eigene Genossenschaftsbanken-Organisation. Denn der Bund ist verkaufswillig. Sollte nämlich die DG Bank zugreifen, dann bekäme sie mit einem Schlag im Bundesgebiet über 25 Zweigniederlassungen – das Genossenschaftsbank-System hätte eine neue Struktur.

Die Freude an der Bauboden ist beim Bund schon seit dem vergangenen Jahr erheblich getrübt. Die Bank, spezialisiert auf Bauzwischenfinanzierungen und daher bei ihren Krediten nicht erstrangig abgesichert, war bei spektakulären Baupleiten mit von der Partie. Bund und Land Nordrhein-Westfalen konnten für den Jahresabschluß 1975 nur mit einer Garantie für über 100 Millionen Mark abwenden, daß die Bauboden einen hohen Jahresverlust durch weitgehende Aufzehrung des Eigenkapitals abdecken mußte.

Die Probleme der Bauboden hatten bereits einen anderen Fusionsinteressenten verschreckt. Die Sparkassenorganisation liebäugelten mit dem Gedanken, ihr Spitzeninstitut, die Deutsche Girozentrale (DGZ), mit der Bauboden zu vereinen und auf diese Weise den Bund in den Kreis der DGZ-Kapitaleigner zu holen. Zwanzig Millionen Mark stille DGZ-Einlage bei der Bauboden zeugen noch heute von der Kooperation der beiden Institute. Erst in der jüngsten Hauptversammlung war DGZ-Vorstandsvorsitzender Ernst Otto Sandvoß zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Bauboden gewählt worden. Diese Verbindung freilich dürfte kaum erhalten bleiben, wenn die DG Bank mit dem Bund ins Geschäft kommt.

Die unter Viehoffs Regie stark nach vorn drängende DG Bank hat in der Sparkassenorganisation Überlegungen induziert, wie der zu erwartenden Bedrohung der eigenen Marktanteile begegnet werden kann. Helmut Geiger, als Sparkassenpräsident zugleich DGZ-Verwaltungsratsvorsitzender, möchte jedenfalls nach wie vor den Bund als Partner für das Spitzeninstitut der Sparkassenorganisation gewinnen – wenn schon nicht mehr mittels der Bauboden, dann eben auf andere Weise. pl