ZDF, Montag, 9. August: „Die Neun – Radikale im öffentlichen Dienst“

Wir hofften. Die vom Konzept her aufregende und interessante, in der Durchführung nun bereits vierzehnmal eher betuliche und langweilige ZDF-Serie „Die Neun“ hatte ein aktuelles und spannendes Thema gefunden: „Radikale im öffentlichen Dienst.“

Wir erfuhren: In der Bundesrepublik ist die Entlassung des Kurt Faller in Endingen am Kaiserstuhl, seit fünf Jahren Sonderschullehrer, seit fünf Jahren auch DKP-Mitglied, eines jener Beispiele, die in keinem anderen europäischen Land verstanden werden oder gar ihresgleichen haben.

Auch in Frankreich wurde der Hilfslehrer Robert Pelletin aus dem Schuldienst entlassen. Aber nicht wegen seiner radikalen Einstellung als solcher, sondern weil er als Teilnehmer an einer Soldaten-Demonstration zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt und nun also „vorbestraft“ war. Ein altes KP-Mitglied sagte: „Wir fürchten eine konservative Verhärtung, die zu Berufsverboten führen könnte, wie wir sie aus Westdeutschland kennen.“

Für Italien sprach Bruno Leguzzi, Professor für Verwaltungsrecht und Anhänger der linksradikalen „Lotta continua“: „Ich glaube nicht an die Vertretungsansprüche des Parlaments. Ich glaube nicht an ein Wohl des Staates. Und ich glaube nicht, daß man gegen diesen sogenannten Extremismus mit Gesetzen vorgehen kann.“ – Er ist nach wie vor Professor. Viele italienische Professoren sind Kommunisten.

In Holland werden erst seit 1969 Kommunisten vom Schuldienst nicht mehr ausgeschlossen. Aber es gibt durchaus Lehrer, die entlassen werden. Lehramtsbewerber würden niemals sagen, daß sie der Kommunistischen Partei angehören – denn „das hätte natürlich Konsequenzen“ (so ein entlassener holländischer Lehrer). Hollands Ministerpräsident Joop den Uyl: „Keiner in Holland wird sich Sorgen darüber machen, daß ein Kommunist in der Schule lehrt. Das ist doch ganz normal. Ich glaube aber nicht, daß man einen Kommunisten zum Chef der Armee ernennen soll.“ Der Ministerpräsident untertrieb ein wenig. Es ist dafür gesorgt, daß auch die weit unter dem Chef der Armee stehenden Offiziere keine Kommunisten sind.

In Großbritannien ist schon alles dadurch viel einfacher, daß es nur 700 000 Beamte, „Civil Servants“, gibt; daß weder Lehrer noch Professoren, weder Angehörige der Polizei noch solche der Feuerwehr einen Beamtenstatus haben. Und bei den 700 000 wählt man halt sorgfältig aus. Sollte ein Extremist die Aufnahmeprüfung passieren, so dürften seine Aussichten auf Beförderung als gering angesehen werden. Eine „Radikalendiskussion“ gibt es in Großbritannien nicht.