Von Heinz Michaels

In Luxemburg, der etwas verträumten Hauptstadt des Großherzogtums, entstand mit der Montan-Union einst die Keimzelle für die Europäische Gemeinschaft. Für die Manager der Ingolstädter VW-Tochter Audi NSU hatte es daher etwas Symbolträchtiges, daß sie ihr neues Flaggschiff, den Audi 100, in dieser Stadt vorstellten, denn es ist als „ein Auto von europäischem Zuschnitt“ konzipiert.

Dabei sind die Ingolstädter Ingenieure ihrem Ruf treu geblieben, immer wieder auf technisches Neuland vorzustoßen. Diesmal ist es ein Fünfzylinder-Ottomotor, mit dem sie die Spitzenversion des neuen Modells ausstatten. Bisher galt es als Regel, daß man Benzinmotoren mit einer geraden Zahl von Zylindern konstruierte. Dieser Aufbau mit vier, sechs, acht oder mehr Zylindern korrespondierte mit dem Arbeitsrhythmus des Viertaktmotors.

Die naheliegende Frage, warum man nicht bei dem bewährten Prinzip geblieben sei, beantworten die Audi-Ingenieure so: Der Fünfzylinder-Motor ist hinsichtlich der Laufkultur dem Vierzylinder überlegen. Dabei ist er nur wenig größer und schwerer als ein Vierzylinder.

Tatsächlich vermittelte eine Probefahrt das Gefühl, einen Sechszylinder-Motor unter der Haube zu haben – so rund, so elastisch, so geräuscharm erwies sich die Maschine. Nur nebenbei sei bemerkt, daß der Audi 100 mit dem Fünfzylinder-Motor Leistungswerte erreicht, die sich mit denen des Porsche 924, mit der 250er-Reihe von Mercedes oder der 5er-Reihe von BMW gut und gerne messen können.

Damit erhebt sich natürlich sofort die andere naheliegende Frage, warum die Techniker nicht längst auf die Fünfzylinder-Lösung gekommen sind. Nun, bei einem solchen Motor treten Schwingungen auf, die extreme Versteifungen im Auto erfordert hätten. Der Vorteil der Gewichtseinsparung wäre dadurch wieder verloren gegangen.

Mag sein, daß den Herstellern der traditionellen Luxuslimousinen an dieser Gewichtseinsparung nicht soviel gelegen war. Die Audi-Ingenieure – eingeschworen auf die Firmen-Philosophie, Energie durch möglichst geringes Fahrzeuggewicht zu sparen – fanden jedenfalls eine Lösung, die die störenden Einflüsse der Schwingungen beseitigte und damit die Vorteile des Fünfzylinders nutzen konnte. Produziert wird diese Version allerdings erst Anfang nächsten Jahres.