Das jugoslawische Fremdenverkehrsgewerbe ist mit der diesjährigen Hochsaison nicht so recht zufrieden. Die deutschen Touristen, schon seit langem Nummer eins in der Tourismusbilanz, kamen 1976 bisher nicht in den gewohnten Scharen. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo mit 1 690 000 deutschen Urlaubern ein Zuwachs gegenüber 1974 von sechs Prozent verbucht werden konnte, liegen die Übernachtungszahlen bis Ende Mai um sieben Prozent hinter dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres zurück.

Die Jugoslawen machen kein Hehl daraus, daß ihnen ganz offensichtlich Fehler in der Preispolitik unterlaufen sind. Die Leiterin des Jugoslawischen Fremdenverkehrsamtes in Düsseldorf, Professor Fedora Gerić, nennt auch Zahlen: „Wir haben zwar sieben Prozent weniger Touristen, aber zwölf Prozent höhere Deviseneinnahmen, wir sind also wohl etwas teurer geworden.“ In der Tat haben die jugoslawischen Hotels auf ihre Vorjahrspreise zehn bis 15 Prozent aufgeschlagen und damit viele Jugoslawien-Liebhaber verärgert.

Der Schreck über die ausbleibenden Touristen hat freilich zu raschen Reaktionen geführt. Im nächsten Jahr, so geloben die jugoslawischen Tourismusplaner, wird es höchstens Preissteigerungen von fünf Prozent geben. Und damit die auslaufende Hochsaison und die Nachsaison die Einbußen vom Jahresanfang wieder wettmachen, gibt es erhebliche Preisnachlässe für alle diejenigen, die sich jetzt noch zu einem Jugoslawien-Trip entschließen.

Ab 1. September gewähren die 3- und 4-Sterne-Hotels einen Rabatt von 25 Prozent auf den Vollpensionspreis, der dann bei durchschnittlich 30 Mark liegen dürfte. Ab 1. Oktober gibt es in den 4- und 5-Sterne-Hotels sogar 40 bis 50 Prozent Preisnachlaß, für 25 Mark findet man dann leicht ein komfortables Zimmer mit Bad einschließlich Vollpension.

Kummer macht es Frau Professor Gerić, daß hierzulande noch viel zu. wenig von den Überwinterungsangeboten Jugoslawiens Gebrauch gemacht wird. Auf der Insel Hvar zahlen Winterurlauber zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März für einen ganzen Monat Aufenthalt zwischen 600 und 700 Mark. Wenn es am Tag drei Stunden regnet, gibt’s die Halbpension gratis, wenn es schneit sogar die Vollpension. Daß es soweit kommt, ist freilich unwahrscheinlich: Schnee gab es auf Hvar bisher so gut wie gar nicht, und drei Stunden hintereinander geregnet hat es in der Wintersaison – nach Frau Professor Gerić – in den letzten zehn Jahren einmal.

Jugoslawien lockt indessen nicht nur mit vorteilhaften Preisen, es wurden auch erhebliche Anstrengungen unternommen, das touristische Angebot zu verbessern. Ein kleines Weltwunder ist die neue Eisenbahnlinie Belgrad–Bar, die erst kürzlich in Betrieb genommen wurde. Bei der zwölfstündigen Fahrt fährt der Reisende auf einer Länge von 470 Kilometern durch 250 Tunnels und über 230 Brücken.

Mehrere große Hotelanlagen wurden in dieser Saison in Betrieb genommen. So entstand in Portoroz/Istrien der Hotelkomplex „Bernardin“ mit 1100 Betten der A- und B-Kategorie. In Dubrovnik, wo es immer noch die meisten Deutschen hinzieht, eröffnete der Urlaubspark „Dubrava – Babin Kuk“ Ende Juli seine Pforten. Hier stehen jetzt nicht nur 2000 komfortable Hotelbetten verschiedener Kategorien zur Verfügung, der Park ist ein großes Vergnügungszentrum mit Einkaufsstraßen, Spiel- und Sportplätzen.