Von Dietrich Strothmann

Hamburg

Gibt’s die denn überhaupt noch – die Nationaldemokratische Partei Deutschlands? Eines nicht allzu fernen Tages mag ein quicker Quizmaster seinen Kandidaten fragen: Wer oder was war die NPD? Und der wird, wetten, mit den Schultern zucken.

Zugegeben: Sie war einmal in aller Munde, 1969 bei der Bundeswahl, als immerhin 4,3 Prozent der Wähler den Nationaldemokraten aus Protest gegen die vermeintliche große Kumpanei der Großen Koalition beinahe über die Hürden geholfen hätten. Es war damals auch die „ruhmreiche“ Zeit der unrühmlichen Rechten unter Adolf von Thadden, als sie in sieben Länderparlamenten vertreten waren. Dann aber war es mit ihnen bergab gegangen, unaufhaltsam. Ihre Flügel brachen ab, Grüppchen scherten aus, 1972 rutschte die Partei unter die Ein-Prozent-Marke (0,6 Prozent). Thadden verlor 1971 seinen Vorsitz, schied 1975 im Krach und Zorn von ihr.

Die NPD heute, die sich mut- und aussichtslos am 3. Oktober noch einmal zur Wahl stellt, die gerade noch knappe 10 000 Mitglieder zählt, ist zu einer Papierkorbpartei abgesunken. Da mußte verwundern, daß ihr Hamburger Verband – mit 200 Getreuen einer der kleinsten – ein. solches Spektakel veranstalten wollte: den ersten „Kongreß der nationalen Kräfte Europas“.

Der Senat der Hansestadt war schockiert: Warum gerade bei uns? Die politischen Parteien waren besorgt: Schadet das nicht dem Image der Stadt? Die Juristen grübelten: Läßt sich das Treffen nicht vielleicht doch verhindern? Die Polizeigewaltigen zerbrachen sich die Köpfe: Alstervergnügen am Jungfernstieg, Hummelfest, verkaufsoffener Sonnabend, erstes Saisonspiel des HSV und Flottenbesuch im Hafen – nun auch noch am selben Tag die NPD? Und Politiker verlangten ein Verbot, Verbände forderten „Nazis raus!“, Linksradikale drohten mit einer Keilerei.

Doch weil es ein Versammlungsgesetz und ein Bundeswahlgesetz gibt, die vorschreiben, daß die Versammlung einer nicht verbotenen Partei vor der, Öffentlichkeit geschützt werden muß, nicht umgekehrt; weil Verwaltungsgerichte in Verbotsfällen stets zugunsten der NPD entschieden haben; weil die Stadt mit der Messehallen GmbH ein Monopol hat – aus allen diesen Gründen mußten der Internationalen der Nationalen“ die Tore der Ernst-Merck-Halle geöffnet werden – und alles übrige in Kauf genommen werden: daß die Polizei rund eintausend Beamte auf die Beine bringen mußte, daß es in der Innenstadt zwischen Linksradikalen und den Ordnungshütern an einem NPD-Informationsstand zu einer Schlägerei kam (sechs Verletzte), daß auch im ausländischen Rundfunk und Fernsehen das schmucke, „weltoffene“ Hamburg als Stadt der „braunen Ratten“ beschimpft wurde.