„Die Träume einer Füchsin“, Erzählungen von Angelika Mechtel. Nach dem Interviewband über die soziale Situation der Schriftsteller, der Realitätssinn bewies und sich eines zeitnahen Problems annahm, fragt man sich, von der Lektüre des neuen Erzählungsbandes mehr verstört als belehrt, was Angelika Mechtel bewogen haben mag, den Boden der Tatsachen und damit ihren eigentlichen Schreibgrund zu verlassen. Denn mit den „Träumen einer Füchsin“, einer Zusammenstellung teils skurriler, teils makabrer, teils phantastischer und irgendwie irrealer Kurzgeschichten, bewegt sich die Erfolgsautorin auf glattem Parkett. Es geht um Frauen von heute, um unzufriedene zumeist, um unglückliche immer. Für diese Frauen hat Angelika Mechtel, die die schwierige Balance zwischen beruflichem Ehrgeiz und privater Eingebundenheit selber irgendwie hält, keine lebensnähere literarische Lösung zur Hand als den Tod. Da wird so pünktlich und plötzlich abgelebt, daß man die Geschichtensammlung getrost als Freitodvorschlagsliste ankündigen könnte. Ob die Unglücklichen mit dem Tod liebäugeln, weil sie überarbeitet oder unausgelastet sind, aus Lebensekel oder Liebesleid, ist letztlich gleich. Angelika Mechtel jedenfalls hält die Ausnahmesituation ihrer Kunstfigur Katrin für eine Alltäglichkeit: „Ich habe mir gesagt, die Neunzig-Stunden-Woche bringt mich nicht um. Meine Hoffnungen habe ich nicht aufgegeben, ich habe sie verschüttet... Wir haben es vermieden, Erinnerungen nachzuhängen ... Ich habe mich arrangiert... Ich habe gelernt, allein zu sein.“ Soviel über das Literatur gewordene Leben zu zweit (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1976; 199 S., 26,50 DM.) Sabine Schultze

„Langenscheidts Handwörterbuch Hebräisch-Deutsch“, von Jaacov Lavy. Weniger die Fremdheit der Schrift oder die vermeintliche Kompliziertheit der Hebräischen Sprache als vielmehr der Mangel an brauchbaren und einigermaßen vollständigen deutsch-hebräischen Wörterbüchern (allerdings auch: guter moderner Lehrbücher) waren bisher das Haupthindernis für den kleinen, doch ständig wachsenden Kreis nicht semitistisch vorgebildeter Philologen und „hebraisierender“ Theologen, tiefer in diese Sprache einzudringen. Welcher Neuhebräisch-Lernende oder -Kundige erinnert sich nicht qualvoller und entmutigender Wörtersuche bei den ersten eigenständigen Leseversuchen in dieser Sprache mit unzureichenden (weil vorwiegend biblischen) Lexika. Lavys Wörterbuch bringt hier spürbare Erleichterung. Das 30 000 Stichwörter umfassende Buch ist die Neubearbeitung von N. H. Tur-Sinais (vormals Torczyner) und S. M. Lasers 1927 erschienenem deutsch-hebräischen Wörterbuch, geplant und zum Teil noch gesichtet von Tur-Sinai selber, nach dessen Tod 1973 dann von Lavy in eigener Verantwortung weitergeführt. Das Material hat Lavy dabei auf der Grundlage von A. Even-Schoschans Hebräisch-Hebräischem Standardwörterbuch neu geordnet und überarbeitet. Alle Sprachebenen sind einbezogen: Umgangssprache, Schriftsprache, Literatur, Fachausdrücke aus sämtlichen Bereichen, bis hin zu den neuesten Schöpfungen, etwa „Mehrwertsteuer“ oder „Postleitzahl“. Sprichwörter, idiomatische Redewendungen und Anwendungsbeispiele, auch moderne Abkürzungen werden, in vernünftiger Dosis, angeboten. (Langenscheidt Verlag, Berlin, 1975; 640 S., 78,– DM.) Barbara Schäfer