Berlin: „Margarete Kubicka“

In Berlin, wo sie geboren ist und noch heute lebt und arbeitet, ist Margarete Kubicka 85 Jahre alt geworden. Die Kubicka, die dem Kreis um Franz Pempferts „Aktion“ nahe stand, hat ihre künstlerische Arbeit immer auch politisch verstanden. Zusammen mit ihrem Mann, dem polnischen Maler Stanislas Kubicki, beteiligte sie sich von 1917 bis 1920 an der Posener Künstlervereinigung „Bunt“ (zu deutsch „Revolte“), später an der Künstlergruppe „Kommune“, der neben anderen Jankel Adler, Otto Freundlich, Raoul Hausmann und Franz Wilhelm Seifert angehörten. Als sich die „Kommune“ nach der ersten und einzigen Ausstellung 1922 selbst auflöste, schloß sich die Kubicka den „Progressiven“ an, wiederum zusammen mit Otto Freundlich. Die Nähe zu Otto Freundlich ist an den Arbeiten der frühen Zwanziger Jahre durchaus abzulesen, in der geradezu futuristischen Dynamik und in der expressiv glühenden Farbigkeit. Im Gegensatz aber zu Freundlich setzt die Kubicka ihre avancierten formalen Mittel gegenständlich thematisch ein, etwa in dem schönen Aquarell „Der Agitator“ von 1924 oder in den Illustrationen zu Alfred Döblins frühem Roman „Die drei Sprünge des Wang-Lun“. Durch den Nationalsozialismus ist das Werk der Kubicka abrupt unterbrochen worden, viele der frühen Arbeiten gingen verloren. Im Neuansatz nach 1954 scheinen die Formen der zwanziger Jahre nur noch gelegentlich auf, neue phantastische Möglichkeiten kommen ins Spiel, allegorische und mythologische Reminiszenzen. Einen Höhepunkt im Spätwerk der Kubicka bilden die labyrinthisch filigranen Tuschzeichnungen aus den letzten Jahren. (Neuer Berliner Kunstverein, bis zum 22. September, Katalog 6 Mark). Katrin Sello

München: „125 Jahre Bayrischer Kunstgewerbeverein“.

Die Londoner Weltausstellung von 1851 hatte zum erstenmal die Leistungsfähigkeit der Industrie demonstriert – und so war es kein Zufall, daß die Gründung des Vereins im gleichen Jahr erfolgte. Das Bündnis von Handwerk und Kunst richtete sich gegen einen übermächtigen Feind: die Maschine. Der Zweck des Bündnisses war die Rettung des Handwerks durch die Kunst, diese garantierte den ästhetischen Mehrwert, der das individuell gestaltete Erzeugnis vom anonymen Produkt der Maschine unterschied, sein Ziel war die „Veredelung des Geschmacks“. Die Voraussetzung dafür war eine Förderung der „kunstgewerblichen Tätigkeit“. Dies war die Aufgabe des Vereins. Veredelten Geschmack konnte sich nur das wohlhabende Bürgertum leisten, das eine Vorliebe für historische Stile entwickelt hatte. So war weder die ursprüngliche Absicht des Vereins zu verwirklichen, eine schönere Umwelt für jedermann zu schaffen, noch der Versuch, Ansätze für eine Befreiung vom Historismus zu finden. Das Kunstgewerbe paßte sich dem Zeitgeschmack an, nicht umgekehrt, es reagierte später ebenso rasch auf die Forderungen des Jugendstils wie auf die der großdeutschen Kunst. Das Kunsthandwerk, ausgerichtet auf verbindliche Normen der Kunst, hat eine dienende Funktion – das ist die Lehre dieser Ausstellung, die sich um eine vorurteilsfreie Darstellung bemüht und gerade dadurch sichtbar macht, daß kunstgewerbliche Geschmacklosigkeiten gewissermaßen zwangsläufig sich ereigneten. (Stadtmuseum bis zum 10. Oktober, Katalog 18 Mark).

Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen:

Bremen: „Amerikanische Zeichner des 20. Jahrhunderts – von der Armory Show bis heute“ (Kunsthalle bis 29. August, Katalog 15 Mark)