Stehen wir an einem Wendepunkt in der Geschichte der Medizin? Ist endlich das lang ersehnte Mittel gefunden, das uns vor der Parodontose bewahrt, vor jener Volksseuche, die uns im Alter die Zähne raubt?

Wer vor den Abendnachrichten versehentlich sein Fernsehgerät zu früh einschaltet und darum mangels Kontrastprogramms im anderen Kanal gezwungen ist, Reklame anzusehen, wird diese Frage mit „ja“ beantworten. Denn hat nicht ein Professor der Zahnmedizin am Bildschirm versichert, daß blend-a-med vor Parodontose schützt Und hielt der Gelehrte nicht einen Forschungsbericht in der Hand, der diese frohe Botschaft mit klinischen Untersuchungsergebnissen beweist?

Angesichts solcher medizinischen Sensation ist nicht zu verstehen, wie Zahnärzte an der Münchener Universitätsklinik nach Experimenten an Freiwilligen zu dem Schluß kommen konnten, zwar komme es auf gründliches Zähneputzen an, doch spiele bei der Verhütung von Parodontose die verwendete Paste eine weniger wichtige Rolle. Hinterm Mond sind diese Münchener Professoren, hinterm Mond ist auch der Berufsverband der Deutschen Zahnärzte, der im Zusammenhang mit diesem Forschungsresultat behauptet: „Es gibt noch kein Mittel, das die Entstehung von Karies und Parodontose verhindern könnte.“ Sehen denn diese Fachärzte keine Fernsehwerbung? Oder stimmt es vielleicht, was eben jener Bundesverband erklärt, daß die Werbung für Zahnpflegemittel „mehr verspricht als sie hält“?

Die Werbeleute von Blendax verdienen solche Schelte wahrlich nicht. Bei der Fernsehreklame soll man gefälligst genau hinsehen und -hören. Zum Beispiel wird zwar der Mann mit dem Forschungsbericht in der Hand als Professor Dr. König vorgestellt. Aber vielleicht ist er Professor für Musik oder für das Brauereiwesen, Ägyptologe oder ein neuer Fernsehprofessor. Wie kann man nur auf die absurde Idee kommen, ihn für einen Zahnmediziner zu halten, zumal es doch verboten ist, in der Werbung einen Arzt zu zeigen.

Und davon, daß blend-a-med etwa vor Parodontose schütze, ist in dem Reklamespot auch nicht die Rede. Vielmehr heißt es dort nur: „Die neue blend-a-med schützt intensiver vor Parodontose als je zuvor.“ Ein solcher Komparativ ist natürlich nicht für jedermann gedacht. Denn Sinn hat er nur für den, der weiß wie intensiv, wenn überhaupt, die Paste früher vor der Krankheit geschützt hat.

So also löst sich der scheinbare Widerspruch zwischen Wissenschaft und Reklame von selbst. Man muß halt beim Fernsehen gut aufpassen.

Und häufig gründlich Zähne putzen. Das nämlich empfiehlt die zahnärztliche Wissenschaft. Vor allem sollten wir die Technik des richtigen Putzens lernen, sagen die Zahnärzte. Wie war’s, wenn uns das einmal jemand am Fernsehen beibrächte – vielleicht illustriert mit dem überzeugenden Beispiel, das mir mein Freund Tratschke erzählt hat: