Von Erich Zeha

Es war gar nicht eingeplant; im Gegenteil, man hat eher eine gewisse Scheu, mit einer Klasse von zwölf- und dreizehnjährigen Mädchen und Jungen das Thema Sexualität zu behandeln. Zuweilen aber legt man, ohne es zu wollen, eine Zündschnur und braucht sich dann nicht zu wundern, wenn plötzlich. eine kleine Explosion entsteht.

Wir hatten das Thema „Gleichberechtigung“ beim Wickel. Dazu einen selbstgebastelten Fragebogen als Grundlage für Arbeit in kleinen Schülergruppen. Am Ende dieses Bogens stand die Frage: „Haltet ihr es für besser, Sexualkunde nur mit Mädchen bzw. nur mit Jungen zu behandeln, oder mit beiden Geschlechtern gemeinsam?“

In der Pause kommt ein Trüppchen von vier Schülerinnen auf einen zu: „Können Sie nicht mal ein bißchen Sexualkunde mit uns machen? Wir haben zwar schon in Biologie darüber geredet, aber nur so von Bienen und Schmetterlingen ...“ Man sagt keineswegs sofort zu, sondern verspricht, die Gesamtheit der Klasse zu befragen, ob Neigung und Interesse zu diesem Thema bestünden. Wie zu erwarten, bleibt kaum eine Hand unten, als man fragt, wer interessiert sei.

Wie es nun anfangen, an welchem Ende einsteigen in das nicht ganz einfache Thema? Welche konkreten Probleme sind es, über die sie etwas wissen wollen? Wie kann man es vermeiden, entweder offene Türen einzurennen, oder die Kinder glatt zu überfordern?

Bewährtes Hilfsmittel in solchem Falle: Man fordert die Jugendlichen auf, ihre konkreten Fragen auf kleine Zettel zu schreiben, die man einsammeln, sichten, gruppieren – und beantworten werde. „Werden Sie wirklich alle Fragen beantworten?“, wird nachgestoßen. Man sagt es zu – es wird gekritzelt, nachdem man besonders betont, die Zettel brauchten den Namen des Fragers nicht zu enthalten. Es dürfte klar sein, daß nur durch die Ermöglichung anonymen Fragens alles vorgebracht wird, was die Kinder wirklich bewegt.

Kleine Enttäuschung, als die Zettel beisammen sind: „So, nun nehme ich die Zettel erst mal mit nach Hause und denke drüber nach.“ Am liebsten wollen sie, daß man gleich loslegt. „Ich bereite mich schließlich auf jedes Thema vor – also auch auf dieses!“ Das sehen sie schließlich ein. Zu Hause zeigt sich, daß die Fragen – für diesmal – nicht sehr breit gestreut sind. Sie zielen fast alle unverhohlen und direkt auf „richtigen Sex“. Wo fängt man an, welches Zettelchen gibt den besten Einstieg? Man entscheidet sich für ein Gekrakel, das offensichtlich den Beantworten in Verlegenheit bringen, ihn also „testen“ will: „Macht Ficken Spaß?“