Im Gerede sind sie nicht; die Scheinwerfer öffentlicher Aufmerksamkeit richten sich selten auf sie. Sie treten zurück hinter der Sache, mit der sie zu tun haben. Sie sind: Vermittler. Sie besorgen die Knochenarbeit des Kulturaustausch. Ohne ihren risikofreudigen Enthusiasmus käme er zum Erliegen.

Curt Meyer-Clason ist Vermittler in zweifacher Hinsicht. Seit 1969 ist er „unser Mann in Lissabon“, nämlich Leiter der dortigen Zweigstelle des Goethe-Instituts. Er hat es im tiefen Salazarismus übernommen und intakt über die Revolution von 1974 gebracht. Als in Portugal bekanntwurde, daß er am 1. September dieses Jahres aus Altersgründen abgelöst, würde, gab es Artikel und Resolutionen, in denen sein Bleiben gefordert wurde. Das Deutsche Institut, schrieb die Lissaboner Zeitung „O Jornal“, sei „das einzige konsequente und lebendige Kulturzentrum der Stadt“ gewesen: „ein Stimulans, ein Schutzraum und eine offene Tür zu Europa“. Das „Diario de Lisboa“ meinte: „Wir schulden Curt Meyer-Clason mehr als die Anwesenheit seiner eigenen Kultur, nämlich die unschätzbaren Dienste, die er der unseren erwiesen hat.“ Der Filmregisseur Fonseca e Costa nannte ihn „ein Monument“. Wofür? In Lissabon hat Meyer-Clason beispielhaft vorgeführt, wie praktische auswärtige Kulturarbeit aussehen kann.

Zugute kam ihm dabei die im Prinzip unschätzbar vorteilhafte Konstruktion des Goethe-Instituts: Die ausländischen Zweigstellen werden nicht von der deutschen Zentrale aus gegängelt, und sie sind weitgehend unabhängig von den diplomatischen Vertretungen. So können sie auch Dinge unternehmen, die sich offizielle Missionen nicht leisten dürften; ihre Aktivität ist nicht durch dauernde Rücksichtnahme eingeschränkt. (An dieser Autonomie wird auch der zwischen dem Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut neu geschlossene Vertrag nichts ändern.)

Auf dieser Basis konnte Meyer-Clason mit Fingerspitzengefühl und List sein Konzept verwirklichen: sich mit seinem Programm an die kritische Intelligenz zu wenden, in einem Geist, der mit dem Wort „Offenheit“ am besten gekennzeichnet ist, offen für Anregungen, offen für Bedürfnisse des Gastlandes, neugierig, „ein wohlorganisierter Utopist“, zurückschreckend vor jeder Besserwisserei: „Ich versuche immer zu verstehen.“

Wenn Meyer-Clason vormittags in seinem Büro im Deutschen Institut am „Feld der Märtyrer des Vaterlands“ in Lissabon erschien, einem schönen und zweckmäßigen Haus, das 1970 im Gebäude der ehemaligen Lissaboner Rechtsfakultät eröffnet wurde und sich vorteilhaft von der üblichen Architektur der Bundesbauverwaltung unterscheidet, diesem „Feldgrau der deutschen Seele“ (Meyer-Clason), hatte er sein anderes Vermittlerpensum bereits hinter sich: einige Stunden Übersetzerei. In den letzten zwanzig Jahren hat er ungezählte portugiesisch- und spanischsprachige Bücher ins Deutsche übertragen: Guimarães Rosa, García Marqüez, Borges, Neruda, Onetti, Roa Bastos, Eça de Queiroz, Namora, Cardoso Pires unter anderen.

Zur Literatur und zur Kulturpolitik kam Meyer-Clason spät. 1910 in Ludwigsburg geboren, absolvierte er eine Banklehre und wurde Kaufmann. 1937 verließ er Nazi-Deutschland und ging für eine nordamerikanische Baumwollfirma nach Lateinamerika, vor allem nach Brasilien und Argentinien. In den vierziger Jahren seines Lebens merkte er, daß er nicht Kaufmann bleiben wollte. Er kehrte 1954 nach Deutschland zurück und begann ein zweites Leben als Übersetzer. Das ist, will man davon leben, eine Plackerei. „Ich bekam Herzbeklemmungen von dem zu vielen und zu raschen Übersetzen, das mir die Ausbeutung der Verlage aufzwang“, sagte er. Am Ende einer Vortragsreise für das Goethe-Institut wurde ihm 1969 die Leitung der verschlafenen

Lissaboner Außenstelle des Instituto Alemão angeboten, die er nun in diesen Tagen abgibt. Was er in sieben Jahren daraus gemacht hat, nennt Joseph Graf Raczynski, der für die Münchner Zentrale des Goethe-Instituts die Außenstellen inspiziert, „durchweg positiv und eins der glänzendsten Beispiele für das, was ein Institut in einer schwierigen Lage überhaupt leisten kann“.