Vielleicht überschätzt man die Bedeutung solcher Verbrechen wie Geiselnahme, und vielleicht sollte man erst einmal das Verbrechen Geiselnahme mit anderen Verbrechen vergleichen und dann über praktische Maßnahmen nachdenken:

Sind nicht täglich Hunderte Menschen bedroht, (und sterben) durch gewöhnliche Kriminalität, durch den Verkehr, durch Hunger? Und sind nicht überfahrene und verhungerte Menschen in einem gewissen Sinne auch Opfer von Verbrechen? Der Unterschied solcher (teilweise sicher nicht im juristischen Sinne) Verbrechen zu einer gewissenlosen, ungeheuerlichen Geiselnahme wäre dann ihre Alltäglichkeit, ihre Normalität, die fehlende Sensation.

Was nun die eigentliche Frage angeht: Wenn die Möglichkeit besteht, die Geiseln gewaltsam zu befreien, sollte man das überlegen; doch wann gibt es schon mal Voraussetzungen wie in Entebbe? Clemens Tesch, 18 Jahre

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Solange sich nicht alle Staaten darin einig sind, daß Terrorismus als politisches Instrument ungeeignet ist und daher bekämpft werden muß, kann es nur eine Alternative geben: Dem Terroristen als Einzelkämpfer muß der Staat mit gleichen Mitteln begegnen: Er muß auch im Alleingang für sich selbst entscheiden und handeln. Nur die sofortige Befreiung der Geiseln gewährleistet, daß nicht Fanatiker auf Dauer die Zügel der Weltpolitik in die Hand bekommen, daß das mühsam aufgebaute Rechtssystem nicht in die Hände der Willkür einzelner gerät.

Gerade die israelische Befreiungsaktion zeigt es: Eine Geiselbefreiung braucht nicht zum Massaker an unschuldigen Opfern zu werden, ist sie nur strategisch genau vorbereitet. Der Staat hält immer einen Trumpf in der Hand: Ihm bieten sich alle notwendigen Mittel für eine effektive Blitzaktion. Diesen Vorteil muß er voll ausspielen, will er sich nicht selbst unglaubhaft machen und somit seine Existenzberechtigung in Frage setzen. Jürgen Hüting, 20 Jahre

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