So umfassend bin ich noch nie über ein Ferienziel informiert worden“, urteilte ein Reisegast. Und ein anderer: „Man hatte mich vor der Urlaubsreise in die Karibik so ausführlich unterrichtet, daß ich mir dort nicht mehr fremd vorkam.“

Solches Lob ist im Büro des Touristikveranstalters Herzog und Faust alltäglich, denn hier werden reiselustige Fachleute von Fachleuten beraten. Vornehmstes Prinzip des Geschäftsführers Manfred O. Faust: „Man kann in dieser Branche nur verkaufen, was man kennt und persönlich liebt.“

Der ideenreiche Reisebürochef kennt und liebt die Bermudas von 44 gründlichen Visiten, und er verkauft sie in Westdeutschland mit marktbeherrschendem Erfolg. Sein ebenso idealistisches wie ertragreiches Konzept hat er in sechs Jahren zum kompletten Karibikprogramm ausgebaut. Von 36 Inseln mit einem oder mehreren Luxushotels darauf fehlt im Angebot von Herzog und Faust keine, doch von etwa 50 Tauch- und Segelrevieren erscheinen nur drei – die besten. Denn das zweite Indiz der Firmenstrategie ist die Qualität der Arrangements, absolute Spezialisierung das dritte.

Der Hamburger Reiseveranstalter bietet Hochkarätiges für Golfer, Reiter und Tennisspieler. Vor nicht ganz zwei Jahren gliederte Manfred O. Faust dem Karibik-Spezialunternehmen die selbständige Firma Golftours an. Weitere Töchter des Hauses stellten sich bei der letzten Touristikbörse in Berlin vor: Tennistours und Reittours. Die Neugründungen dienen dem Firmenchef zur Vertiefung seiner Prinzipien. Er ist selbst begeisterter Golfer, spielt Tennis und ist aktiver Reitsportler. Das heißt: Er kann mitreden. Die Angestellten im (neuen) Büro am Jungfernstieg 51 sind Profis, dies Reisebegleiter wenigstens Nationalspieler, zum größten Teil Golfmeister, Tennisasse und Turnierreiter der Weltspitze.

Das Angebot läßt keine Ansprüche offen. Herzog und Faust bietet ausschließlich Linienflüge und luxuriöse Sportherbergen, also ausgesprochene Golf- oder Tennishotels mit Klub und Plätzen in unmittelbarer Nähe. Der noble Urlaubsstil differenziert den Publikumskreis (Faust: „Unternehmer, leitende Angestellte, Akademiker, Freiberufler – zu 40 Prozent Ärzte“) und prägt die Preise („Wo Neckermann aufhört, fangen wir an“): 16 Tage im Superhotel Acapulco Princess ab 3480 Mark, im Mount Bay Hotel auf Tobago ab 2560 Mark; oder etwa im feudalen Schottenschloß Gleneagles, zweifelsohne einem der schönsten und vornehmsten Golfhotels in Europa: eine Woche rund 1500 Mark.

Manfred O. Faust, vom Erfolg überrascht: „Golftours war unsere bisher größte Bombe. Wir haben eine echte Marktlücke entdeckt.“ In der Tat: Mit seinen Karibikangeboten beherrscht er den westdeutschen Markt schon zu ungefähr 70 Prozent (Umsatz). Doch die Golfprogramme haben bereits im ersten Jahr den Gesamtumsatz verdoppelt (auf annähernd neun Millionen). Schon mit Gedanken an ein viertes Spezialunternehmen spielend (Tauchtours), verspricht sich der regsame Faust von den jüngsten Neugründungen ähnliche Erfolge. Mit Tennistours könnte er wieder recht haben: In der Bundesrepublik gibt es über eine Million aktive, jedoch fünf bis sechs Millionen potentielle Tennisspieler. bo