Hervorragend:

„Béla Bartók auf der Orgel“. Eigentlich gibt es ihn gar nicht auf diesem Instrument: Was Oskar Gottlieb Blair hier auf raffinierten Register-Kombinationen einer Kirchen-Orgel spielt, sind eigentlich Klavierwerke – „Rumänische Volkstänze“, „Mikrokosmos“, „Für Kinder“, „Klänge der Nacht“. Durch die Aufteilung auf verschieden gefärbte Manuale und Pedale erhalten die einzelnen Komplexe der auf dem Klavier eher monochrom klingenden Strukturen unglaublich differenzierte Klangformen und Konturen. Das erleichtert das Hören nicht nur, es bringt auch ungeahnt viele neue Einsichten in die Baugesetze dieser für manchen brutalen Musik. Ob Vielton-Akkorde oder komplizierte Melodien, ob vertrackte Rhythmen oder wilde Harmonie-Rückungen: Bartók ist eher noch interessanter geworden. Was heute von historischen Parallelen, etwa von Busonis Bach-Bearbeitungen, nicht mehr gesagt werden kann: Gelegentlich könnte man diese Bartók-Bearbeitungen sogar für Originale halten. (Schwann VMS 2051, 20 Mark) Heinz Josef Herbort

Hörenswert:

„The Marshal Tucker Band with Long Hard Wright“. Von anderen populären Vertretern des vom Blues beeinflußten Südstaaten-Rock unterscheidet sich die Marshal Tucker Band angenehm dadurch, daß sie auf die melodischen und textlichen Klischees nachempfundener Fernfahrer- und Cowboy-Romantik verzichtet, auch wenn der Titel der Platte das Gegenteil anzudeuten scheint. Die Gruppe spielt keine endlos monotonen Soli, sondern schreibt für die Songs ungemein dichte Arrangements und verwendet traditionelle Instrumente, wie Banjo, Hillbilly Feedle und Steel-Gitarre in einem zeitgenössischen Rock-Kontext. Bei den ansonsten vorzüglichen und im Klangbild sehr transparenten Aufnahmen wurden nur die Stimmen bisweilen mit etwas zu viel Halleffekt abgemischt. (Capricorne Records 24 29 140 17,50 Mark) Franz Schöler

„Ernst Hilbich singt Wilhelm Busch“. Erstens kann man sich darüber wundern, daß Wilhelm Busch so lange (fast) unvertont geblieben ist, und zweitens darüber, daß der nunmehr vorliegende Versuch nicht nur glimpflich abgegangen, sondern sogar ganz gut gelungen ist. Das ist vor allem dem sonst eher auf grobe Späße geeichten (teils durch das „Kom(m)ödchen“, teils durch seine lauten Fernseh-Kalauer einem größeren Publikum bekanntgewordenen) Kabarett-Schauspieler Ernst Hilbich zuzuschreiben, der sich hier überraschend zurückhält und nicht versucht, die Pointen des alten Humoristen durch Überpointierungen zu zerdrücken. Im Gegenteil, er geht mit den Texten vorsichtig um. Sein Helfer, der auf der Plattentüte in der allerkleinsten Schrift bekanntgemachte Komponist Bruhn, hat dazu eine nicht umwerfend originelle, zurückhaltend populäre, nicht immer sehr erleuchtende Musik geschrieben. Es wird Leute geben, die Busch (wie ich) lieber lesen als (gesungen) hören. (United Artists UAS 29 947, 22,– DM)

Manfred Sack