Zwei Säulen auf der arabischen Seite des Nahostkonfliktes, die bisher als stabil galten, sind zu Bruch gegangen: das pluralistische Staatsgebilde Libanon und die Sammlungsbewegung der anti-israelischen Widerständler, die Palästinensische Befreiungsorganisation des Jassir Arafat. Die Friedensmacher in dieser erschütterten Region müssen nun ein neues Szenario entwerfen.

Wie auch immer der neue Libanon unter Syriens strenger Kontrolle aussehen mag und wie auch Arafats Kampf um Leben und Tod seiner Guerillatruppe ausgeht – Israel wird sich, als stiller Teilhaber eines Sieges der libanesischen Rechten über die Palästinenser, noch entschiede-, ner weigern, einer großen Rückzugslösung oder gar einem Teilstaat Palästina am Jordanufer zuzustimmen. Die libanesische Tragödie wird den Frieden in Nahost nicht näherbringen.

Vorläufig ist die Entscheidung auch nicht gefallen: Der Krieg geht weiter, nähert sich freilich seiner letzten Phase. Gelingt es den rechten Falange-Milizen von Westen und den Syrern von Osten, die übriggebliebenen Stellungen der „Vereinigten Linken“ auf den Bergkämmen oberhalb Beiruts zu stürmen, dann ist der Weg zur Teilung des Libanon frei. Wo Arafat dann noch seine Zuflucht findet, ist ungewiß. Schon deutet sich ein Bruch zwischen den libanesischen Linken unter dem Drusenfürsten Dschumblatt und den Palästinensern an. Jetzt, wo es nach dem Fall des Lagers Tel Saatar nur noch um das nackte Überleben geht, sucht jeder sein Heil im Kompromiß.

Die Last des Sieges ruht dann auf Syrien. Wie wird es damit fertig werden? Manche fürchten, es werde als Aufseher einer „syrischen Lösung“ noch für Jahre im Libanon bleiben, wenn auch nicht eine heimliche Annektion betreiben. Jerusalems Militärs sind aber sicher, daß die Syrer eine Rückkehr der Palästina-Partisanen in das ehemalige Fatahland an Israels Grenze verhindern werden.

Auf jeden Fall wird es der syrische Präsident Assad schwere haben, seinen Triumph über die linken Störenfriede im Nachbarland auszukosten. Es fehlt nicht viel, und ihm wird die Schuld zugeschrieben werden, den Palästinensern im Libanon einen „schwarzen August“ bereitet zu haben, wie im September 1970 sein neuer Kompagnon König Hussein in Jordanien einen „schwarzen September“. Syriens Stellvertreterkrieg in Beirut, der das gesamte arabische Gebäude ins Wanken brachte, wird Assad kaum zum Frieden mit Israel fähig machen. Im Gegenteil: Er wird vielleicht schon – bald um sein eigenes Überleben kämpfen müssen, gegen die Opposition im eigenen Lande wie gegen die Fronde seiner Kritiker in Bagdad und Kairo. D. St.