Unvermeidlich hat der Hinweis des Kanzleramtschefs Manfred Schüler im Spiegel, daß nach der Bundestagswahl in der Regierungszentrale wieder ein ausschließlich für die Deutschland- und Ostpolitik zuständiger Staatssekretär installiert werden solle, Spekulationen an der Bonner Personalbörse ausgelöst. Von der sommerlichen Nachrichtenflaute abgesehen, erscheinen solche Mutmaßungen um so reizvoller, als es immerhin um die Verspätete Nachfolge Egon Bahrs ginge, dessen Name in den sozial-liberalen Anfangsjahren zum Synonym für alle Politik geworden war, die mit der DDR und dem Osten zu tun hatte.

Am häufigsten ist von dem bisherigen Leiter der Kanzleramtsabteilung für auswärtige und innerdeutsche Beziehungen und äußere Sicherheit, dem Ministerialdirektor Carl-Werner Sanne, die Rede. Aber fast ebenso oft wird von Dietrich Spangenberg gesprochen, derzeit Bundesbevollmächtigter für Berlin und früher bei Heinemann Staatssekretär im Präsidialamt.

Von der Erfahrung und Sachkunde her wäre die eine wie die andere Berufung einleuchtend. Unter den Bonner Spitzenbeamten ist Sanne gewiß der Mann, der auf dem verwinkelten Terrain der Deutschland- und Ostpolitik die meisten Kenntnisse und den besten Überblick besitzt. Das Verhältnis zwischen dem Kanzler und ihm beruht auf gegenseitiger Wertschätzung. Helmut Schmidt hat ihn wiederholt mit heiklen Missionen betraut. Bisher hatte sich Bonn freilich darauf eingerichtet, daß Sanne – was er seit längerer Zeit nicht mehr verhehlt hatte – nach der Wahl in den auswärtigen Dienst zurückkehren werde.

Spangenberg wiederum bildet zusammen mit dem ständigen Bonner Vertreter in Ostberlin, Günter Gaus, und dem Berliner Bundessenator Dietrich Stobbe jenes Trio, das zumindest einen Teil der alten Funktionen Bahrs, zumal bei der Verknüpfung aller Fäden der Deutschlandpolitik, übernommen hat. Auch sein Einblick und Detailwissen sind profund. Zudem hat Spangenberg bei der nicht immer reibungslosen Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen der Bonner Regierung und dem Westberliner Senat häufig die Rolle des trouble-shooters gespielt. Und schießlich kennt er sich in der SPD gut aus. Eingedenk des Stellenwerts, den einflußreiche Sozialdemokraten, voran der Parteivorsitzende Willy Brandt, der Ost- und Deutschlandpolitik unverändert beimessen, ist auch das von Bedeutung.

*

Würde der Slogan „Freiheit statt/oder Sozialismus“ nicht nur als Schreckensparole gebraucht, so könnte zum Beispiel auch über das Thema der verwalteten Welt ernsthaft diskutiert werden, etwa an Hand der Dimensionen und Kosten des öffentlichen Dienstes. Aber darüber reden die Parteien kaum.

Was Wunder also, wenn von der jüngsten Übersicht über das Beamtenheer und seine Besoldung, wie sie die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion bietet, bisher so gut wie niemand Gebrauch gemacht hat. Dabei sind die Zahlen frappierend.