Bei den deutschen Bausparkassen ist das Neugeschäft kein Selbstgänger mehr. Der stufenweise Abbau der Sparförderung hat den Kreis der Bauspar-Interessierten schrumpfen lassen. Hinzu kommt, daß immer mehr Versicherungsgesellschaften dazu übergehen, sich eigene Bausparkassen anzugliedern, um auf diese Weise ein „Allfinanz-Angebot“ zu schaffen.

Die „etablierten“ Bausparkassen versuchen seit einiger Zeit, durch gezielte Aufklärung die Öffentlichkeit über die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Bauspargeldern zu unterrichten, um sich auf diese Weise neue Märkte zu schaffen. Beim Abschluß eines Bausparvertrages spielt immer noch die staatliche Förderung eine wesentliche Rolle. In Frage kommen sowohl das 624-Mark-Gesetz (vermögenswirksame Anlage) als auch das Wohnungsbau-Prämiengesetz. Beides kann jedoch nur in Anspruch genommen werden, wenn das zu versteuernde Einkommen im Kalenderjahr die Grenze von 48 000 Mark für Verheiratete nicht, übersteigt. Dieser Betrag erhöht sich um 1800 Mark je Kind unter 18 Jahren. Bei Ledigen darf das zu versteuernde Einkommen 24 000 Mark nicht überschreiten. Prämienbegünstigt sind bei Verheirateten höchstens 1600 Mark Sparleistung, bei Ledigen 800 Mark im Jahr. Die Wohnungsbau-Prämie beginnt mit 18 Prozent der nach oben begrenzten begünstigten Sparleistung. Bei Verheirateten mit vier Kindern macht die Prämie schön 26 Prozent aus. Beim Sparprämien-Gesetz (Sparkonto) beginnt die Prämie bei 14 Prozent. Bei vier Kindern beträgt sie 22 Prozent.

Doch trotz der höheren Wohnungsbau-Prämie ist die Rendite beim Prämiensparen (Sparkonto) höher als beim Bausparvertrag, auf dem das eingezahlte Geld in der Regel nur mit drei Prozent jährlich verzinst wird. Unter Berücksichtigung der Wohnungsbau-Prämie erreicht ein Ehepaar mit zwei Kindern bei sechs Jahressparleistungen von je 1600 Mark eine Rendite von 8,3 Prozent. Bei einem Zinssatz von fünf Prozent erhöht sich die Rendite beim Sparkonto auf 9,2 Prozent. Da bei Sparprämien-Verträgen das eingezahlte Geld durchschnittlich mit 5 1/4 bis 5 1/2 Prozent verzinst wird, ist die Rendite hier deutlich besser. Nur wenn der Zinssatz bei den Sparkonten auf vier Prozent sinkt, ist die Gleichwertigkeit in der Rendite hergestellt. Das hat die Bausparkasse Wüstenrot errechnet.

Damit wird deutlich, meine verehrten Leser: Als reine Sparanlage scheidet der Bausparvertrag wegen der ungünstigeren Rendite aus. Sein Abschluß lohnt sich nur, wenn man tatsächlich die Absicht hat, von den günstigen Möglichkeiten, die der Bausparvertrag bietet, auch Gebrauch zu machen. Der Bausparvertrag sichert dem Bausparer einen Rechtsanspruch auf ein mit fünf Prozent zu verzinsendes Bauspardarlehen zu, das zu 100 Prozent ausgezahlt wird, wobei sich die Bausparkassen mit einer II. Hypothek zur Sicherung des Bauspardarlehens zufriedengeben. Wissen muß man allerdings, daß das Bauspardarlehen innerhalb von elf Jahren zu tilgen ist, so daß sich die jährliche Belastung aus einer Bausparhypothek auf 12 Prozent stellt. Daneben wird eine einmalige Darlehensgebühr fällig.

Die jährliche Belastung von zwölf Prozent mutet auf den ersten Blick zwar erheblich an. Wenn man jedoch bedenkt, daß I. Hypotheken heute mehr als acht Prozent kosten, fällt die Differenz nicht mehr so ins Gewicht. Bausparkassen raten deshalb, mit Bauspardarlehen die I. Hypotheken zu tilgen, die üblicherweise eine Laufzeit von 25 bis 30 Jahren haben.

Wer also nur noch eine I. Hypothek auf seinem Grundstück lasten hat, kann sie mit Hilfe eines Bauspardarlehens ablösen. Dann muß man zwar elf Jahre lang etwas tiefer in die Tasche greifen, ist aber danach seine Grundschulden völlig los. Dabei hilft der Staat obendrein noch durch die prämienrechtlichen Vorschriften für die Verwendung von Bausparverträgen.

Was nur wenige wissen: Mittel aus Bausparverträgen können auch dann vorzeitig eingesetzt werden, wenn sie dazu benutzt werden, um im Rahmen von Erbauseinandersetzungen über ein Wohngebäude die übrigen Erbberechtigten abzufinden; Familien, in denen Erbauseinandersetzungen bevorstehen, sollten prüfen, inwieweit sich hier ein Bausparvertrag einsetzen läßt. Nach Ablauf der gesetzlichen Bindungsfrist kann das angesparte Guthaben plus Prämien und aufgelaufenen Zinsen ohnehin frei verwendet werden.