Vor ein paar Jahren waren sie Gegenstand heftiger Kritik, seitdem ist es ruhig geworden – um die Kataloge der Reiseveranstalter. In der Tat: Die Reisebranche hat das Niveau ihrer Informationsbroschüren stetig verbessert und verfeinert. Hotel- und Ortsbeschreibungen zeichnen sich durch präzisere Texte aus; Anreise- und Transferzeiten fehlen nur noch selten; häufig werden Lageskizzen von Hotels, aber auch Grundrisse von Ferien Wohnungen abgedruckt; Leistungen, für die Extrakosten entstehen, sind deutlicher ausgewiesen als früher, und Eckpreise (das billigste Angebot für einige wenige Termine in der Vor- oder Nachsaison im einfachsten Hotel und ohne Verpflegung) erkennt der aufmerksame Tourist an Hand der Aufmachung heute auf den ersten Blick.

Nun hat in diesen Tagen die Stiftung Warentest das Thema wieder aufgegriffen; ihre Reiseinspektoren (die Jahr für Jahr Hotel-Testlisten bestimmter Reisegebiete zusammenstellen) haben am Beispiel Griechenlands den Wahrheitsgehalt einiger Reiseprospekte überprüft. Das Ergebnis: einige Informationslücken, eine Reihe von Fehlern, aber auch ein Eigentor der Warentester.

Die Warentester bleiben in ihrer Kritik nicht allgemein, sie nennen Veranstalter wie Hotels mit Namen. So kritisieren sie mit Recht, daß der Berliner Veranstalter Ungertours das Hotel Akti Apollon bei Anavissos (zwischen Athen und Kap Sounion) mit den Prädikaten „elegant, komfortabel, geschmackvoll, für verwöhnte Ansprüche“ anpreist. Wer sich auf Grund dieser Beschreibung zu einer Buchung entschließt, wird enttäuscht werden, denn in Wirklichkeit handelt es sich um „eine hübsche Anlage der einfachen Mittelklasse“ (ADAC).

Im Kapitel Lagebeschreibungen weisen die Test-Tester den Firmen Intercontinental und Kaufhof zwei schadenersatzträchtige Fehler nach: Weder sei das Hotel Regina Maris in Glyfada „normal ruhig, an Straße mit Ortsverkehr“ gelegen noch das Hotel Voula Beach in Voula an einem „großen Boulevard“. Über das Regina Maris brausen auch nachts die landenden Düsenflugzeuge, der Boulevard von Voula entpuppt sich bei näherem Zusehen als mehrspurige Durchgangsstraße in Richtung Kap Sounion.

Die Beschreibung der Strandqualität ist sicher schwierig und problematisch, aber Airtours gibt unumwunden zu, daß man sich bei der Qualifizierung des Strandes an der Anlage Kinetta Beach/Attika geirrt habe. „Der flach abfallende Kiesstrand, Badeschuhe empfehlenswert“ (ADAC), sei tatsächlich kein „Sandstrand“. Auch bei den Zimmerbeschreibungen stießen die Warentest-Inspektoren auf Ungenauigkeiten. So konnten sie beim Hotel Lagonissi keine „Superior-Bungalows mit luxuriöser Ausstattung“ entdecken. Keine Nebensache sind auch die zu einem Hotel gehörenden Gemeinschaftseinrichtungen. Intercontinental und Kaufhof statteten das Hotel Apollo in Aghia Marina auf Aegina kurzerhand mit einem „Nightclub“ beziehungsweise einer „Diskothek“ aus, obwohl dort keinerlei Musikschuppen zu finden ist. Fehlanzeige auch bei einem „Kino“, das Tigges beim Cape Sounion Beach Hotel in Kap Sounion aufführt.

Ärgerlich werden auch jene Touristen gewesen sein, die das Hotel Kinetta Beach in Erwartung zu mietender Motorboote gebucht hatten und keine fanden.

Die Erklärungen der betroffenen Reiseveranstalter, wie es zu den Katalogpannen kommen konnte, sind aufschlußreich. Fehler, Leichtfertigkeit, aber auch schlicht Pech sind da im Spiele,