Als das Geheimnis, das seit über zwei Wochen gut gehütet schien, gelüftet war, handelten alle beteiligten Ämter nach alter Art: Sie machten die Schotten dicht. Militärischer Abschirmdienst (MAD), Verteidigungsministerium und Bundesanwaltschaft antworteten stereotyp mit „no comment“. Die Gewißheit blieb, daß ein böser Spionage-Erfolg gerade noch unterbunden werden konnte... Die Festnahme eines 32 Jahre alten Belgiers namens Valerian Kuzniak und des 36 Jahre alten Duisburger Hochfrequenzingenieurs Manfred Knüfelmann verhinderte, daß Unterlagen des neuen Mehrzweckkampfflugzeugs „Tornado“ (MRCA), das für die deutsche, britische und italienische Luftwaffe entwickelt wird, in die Hände einer fremden Macht gerieten.

Daß die Festnahme des Belgiers bei der Übergabe eines Koffers voller Unterlagen geschah – dies ist ein Faktum, das gerade noch bestätigt wird. Aber schon die Frage nach der fremden Macht bleibt ohne Antwort. Ist die Sowjetunion gemeint? Ein anderer östlicher Staat? Oder sind gar Ölscheichs die Auftraggeber? Sollten 38 Millionen, 27, 20 oder nur 7,5 Millionen Mark für die Unterlagen gezahlt werden? Und überhaupt: Was für Unterlagen wurden denn sichergestellt?

Alle Unterlagen über den Tornado können es gar nicht sein – sie sind viel zu umfassend und nicht an einem einzigen Ort gesammelt.

Tatsache ist, daß die Münchner Firma, das Bundeswehrbeschaffungsamt in Koblenz und auch das Verteidigungsministerium „Tornado“-Unterlagen haben, ganz abgesehen von etlichen hundert Zulieferfirmen der Münchner Flugzeugbauer.

Auch die Frage, wo der Verrat begangen wurde, bleibt ungeklärt. Die Firma Messerschmitt, Bölkow und Blohm (MBB) wies dezent darauf hin, daß die „andichte Stelle“ nicht bei MBB liegen müsse – und ließ offen, ob dann lediglich der Informant gemeint ist, dir „Welt“ oder „Spiegel“ die Nachricht zuspielte.

Unerklärt lassen die Behörden, ob vielleicht bereits Kopien gemacht worden seien, und eine weitere Frage ist noch, ob dies der erste Coup des belgischen Waffenhändlers war.

Sind noch weitere Personen in die Affäre einbezogen? Das ist nach der Mitteilung der Bundesanwaltschaft anzunehmen, die nach der Veröffentlichung durch die Welt klagte, die Ermittlungen seien „erheblich gestört“ worden. Womöglich gibt es Querverbindungen zu anderen, bislang nicht bekannt gewordenen Fällen von Rüstungsspionage. So ist zu hören, daß sich vor etwa sechs Wehen ein Angestellter eines Tochterunternehmens von MBB absetzte, das die Flugabwehrrakete „Roland“ baut.