Vier Millionen Flüchtlinge

Nach Schätzungen des Weltkirchenrates gibt es rund vier Millionen Flüchtlinge in aller Welt. Die Intensivierung des Befreiungskampfes im südlichen Afrika treibt diese Zahl noch in die Höhe. Afrika ist der Erdteil mit der größten Flüchtlingsbevölkerung. Die Schätzungen des Weltrates liegen um 1,5 Millionen über der Zahl der vom Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) und des Amtes des UN-Kommissars für Flüchtlinge (UNHCR) registrierten Flüchtlinge. Mit folgenden Angaben illustriert der Weltrat das besondere Problem in Afrika. Unzählinge Flüchtlinge aus Guinea seien über ganz Westafrika verstreut. Im Süden Algeriens lebten rund 70 000 Flüchtlinge aus dem Westsahara-Gebiet. „Ein besonders verwirrendes Element ist die Tatsache, daß manche Länder Flüchtlinge austauschen Burundi zum Beispiel beherbergt 48 500 Flüchtlinge aus Ruanda, während Ruanda 6000 Flüchtlinge aus Burundi aufgenommen hat.“ Gleiches gelte auch für den Sudan und Äthiopien.

Rechte Blindheit

Die argentinische Junta hat ihr Versprechen (und ihre Putsch-Rechtfertigung) verfehlt: Die Zahl der Morde und Terroranschläge nimmt täglich zu. Dabei stellt sich immer deutlicher heraus, daß die Armee mit rechten Schlägergruppen kooperiert. Die Blindheit auf dem nationalistischen Auge wurde jetzt von einer katholischen Zeitung angeprangert: Linke subversive Schriften würden unerbittlich verfolgt, nationalsozialistische Broschüren – zum Teil von deutschen Nazis verfaßt, fast alle in Madrid gedruckt – kursierten ungehindert. Hauptzielrichtung dieser Pamphlete: Juden, Freimaurer und katholische Priester.

Scheidungsfreudige Bulgaren

„Es ist erschreckend. In zehn Jahren wird es in diesem Land keine einzige Familie mehr geben“, vertraute ein Scheidungsrichter aus Sofia der bulgarischen Zeitschrift Zhenata Dnes an. In der Tat haben die bulgarischen Scheidungsraten, wie aus einem Bericht von Radio Free Europe hervorgeht, alarmierende Ausmaße angenommen. Während im Jahre 1944 auf 10 000 Ehepaare erst 2,2 Scheidungen kamen, waren es 1955 schon 5,3, im Jahre 1965 bereits 10,6 und 1974 nach der letzten Erhebung 13,4. Die Hauptgründe: Ehebruch, physische und seelische Grausamkeit – ein Grund, der bei den vorhergehenden Erhebungen weit hinten rangierte – und Alkoholismus. In der Bundesrepublik sieht es allerdings noch schlimmer aus. Dort ließen sich im Jahre 1974 von 10 000 Ehepaaren 62 scheiden.

Wer provoziert?

Ständig ist die Rede von Westdeutschen Grenzprovokateuren – östliche gibt es danach anscheinend nicht. Während die DDR Mühe hat, außer Spaziergängern und Bootfahrern oder dem einmaligen Fall Gartenschläger (Demontage von Tötungsautomaten) Provokateure aufzutreiben, registriert der Bundesgrenzschutz Grenzverletzungen ganz anderen Kalibers. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres haben DDR-Grenzer achtmal bundesdeutsches Hoheitsgebiet verletzt. Durchweg handelte es sich dabei um Fälle, wie sie schon im letzten Jahr festgestellt wurden. So warf ein Pionier der DDR-Grenztruppen einen Sprengkörper über den Metallgitterzaun und gefährdete eine Streife des Bundesgrenzschutzes. Oder ein DDR-Offizier schleuderte eine Handgranate (so vermutet der BGS) in Richtung auf eine nur fünfzehn Meter entfernt patrouillierende Streife. Im Gegensatz zu Ostberlin begnügt sich Bonn in der Regel mit Protesten der jeweiligen BGS-Kommandos.