Wenn Hasan Husein Haut seinen Teppich ausrollt und sich zum Gebet gen Mekka verneigt, dann träumt er davon, seine Ehrbezeugungen gegenüber Allah in einer prachtvollen Moschee verrichten zu können. Aber Hasan lebt in der Bundesrepublik als Vorsitzender der islamischen Gemeinde, weit weg von seiner orientalischen Heimat im christlichen Abendland, wo Moscheen rar sind.

Im badischen Spargelstädtchen Schwetzingen freilich recken sich zwei schlanke Minarette zum Himmel: Eine malerische Moschee im Schloßpark, einzig in unseren Breiten, dient als Touristenattraktion. Wie schön wäre es doch, wenn von dort der Muezzin seinen monotonen Gesang übers beschauliche Ländle rufen könnte. Eine Million Muslims in Deutschland sollen ihn hören.

Wie Schwetzingen einst zu der Gebetsstätte kam, darüber läßt sich rätseln. Bauen ließ die Moschee Kurfürst Karl Theodor im Jahre 1785, als er schon lange in München regierte und nicht mehr in Mannheim. Die Bayern hatten ihn auf den Thron geholt. Da soll es eine Geliebte gegeben haben, der er zur Freude in der Nähe seiner Sommerresidenz den exotischen Kuppelbau errichten ließ. Gewiß, die Geschichte ist nicht hieb- und stichfest, aber zuzutrauen ist sie dem kunstsinnigen Regenten schon.

In Mannheim jedenfalls, dies ist verbürgt, schonte er die Gefühle der ihm angetrauten Elisabeth-Auguste nicht und schenkte seiner Geliebten Josefa Seiffert, Balleteuse am Nationaltheater, eine prächtige Villa just gegenüber dem Schlafzimmerfenster des ungeliebten Eheweibes. „Palais Bretzenheim“ nennen sie die Mannheimer noch heute, denn der Vater der Tänzerin übte das ehrbare Handwerk eines Bäckers in ihren Mauern aus.

Wie dem auch sei, gebetet wurde in der Schwetzinger Moschee erst viel später. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 beteten gefangene Muslims, die in badischen Lazaretten versorgt wurden. Die Amerikaner ließen nach dem Zweiten Weltkrieg Jazz und Swing darin erschallen. Sie fanden, der Raum sei geeignet, dort einen Night-Club zu errichten.

Allenfalls Touristen wallfahren an schönen Wochenenden zum Schloßgarten. Die Moschee müßte gründlich renoviert werden, doch die baden-württembergischen Denkmalschützer haben die nötigen 800 000 Mark nicht. Die Muslims könnten das Geld aufbringen. Unter ihren Anhängern – die größte Zahl stellen die türkischen Gastarbeiter – sammeln sie. Dann wollen die Jünger Mohammeds aber die Moschee auch benutzen dürfen, ungeachtet des schlechten Leumunds des Tempels.

Zu Beginn des Fastenmonats Ramadan trafen sie sich zur Bekräftigung ihres Vorhaben in der Moschee des Spargelstädtchens. Bevor Hasan seine Pläne verwirklichen kann, muß er noch eine Hürde der deutschen Bürokratie überspringen, die die islamische Gemeinde bisher noch nicht geschafft hat. Sie fragen sich, wie es ihnen gelingen könnte, aus ihrer Glaubensgemeinschaft auch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts zu machen. Allah allein weiß es. Reinhard Urschel