München, im Februar

Sie haben sich einen fast ebenso umständlichen Namen zugelegt wie ihre Gegner – die Münchner „Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus“ bekämpft ein weitverzweigtes Netz von Organisationen:

  • die Vereinigungskirche,
  • die Föderation für Weltfrieden und Vereinigung,
  • C.A.R.P. (Collegiate Association for the research of principles),
  • IOWC (International One World Crusade).

Oberhaupt dieser weltweiten Organisation, die seit einiger Zeit auch in der Bundesrepublik ihr Unwesen treibt, ist der südkoreanische Reverend San Myung Moon, Prediger, Unternehmer (u. a. Waffenfabrikant), Millionär und Faschist, Hunderttausende von „Moonies“ in aller Welt – hauptsächlich aber in Amerika – sollen ihm inzwischen Gefolgschaft leisten. Sein strategisches Ziel für die Bundesrepublik im vergangenen Jahr: tausend Mitglieder zu werben. Wie geschah das:

Ein Trio, meist aus einem Japaner, einem Deutschen und einem Amerikaner, bildet einen „Stützpunkt“. Sie ziehen durch die Fußgängerzonen der Großstädte München, Hamburg, Frankfurt, Würzburg, sammeln Geld für die „Jugendmission“ und überreden junge Menschen zu einer Einladung zum Tee, zu einem Wochenendseminar und schließlich zu einer 14tägigen kostenlosen Reise in die Moonschen Trainingszentren nach Camberg-Neumühle im Taunus oder Regelsmühle-Thalheim bei Nürnberg, Nehmen die Jugendlichen eine solche Einladung schließlich an, sind sie meist auch schon verloren. Denn für eine Umkehr ist es nach dieser intensiven Schulung zu spät.

Joachim von Poschinger, Vorsitzender der Elterninitiative, hat eigene Vorsitzender gemacht. Seine 17jährige Tochter war von den Moonies verzaubert worden, „Sie hatte vollkommen abgeschaltet, als wenn sie rauschgiftsüchtig geworden war. Es war erschreckend.“ Doch der Vater, hatte eine Chance: Seine Tochter war noch minderjährig. Er konnte der Organisation verbieten, sie aufzunehmen, mit einer Anzeige droben („einen Skandal wollen sie nicht“) und seine Tochter auf eine lange Reise mitnehmen. Das half.

Doch diese Möglichkeit haben die meisten Eltern nicht mehr, sobald ihre Kinder 18 Jahre alt sind. Ihr jüngster Versuch: In einem Brief an das Bundesinnenministerium fordern sie dazu auf, die weitverzweigte Moon-Organisation, die in der Bundesrepublik den Status eines gemeinnützigen Vereins hat, für verfassungswidrig zu erklären, wie es in Österreich schon gesehenen ist. Argumente nimmt die Elterninitiative aus dem Standardwerk der Bewegung, den „Göttlichen Prinzipien“. Joachim von Poschinger erinnert es an Hitlers „Mein Kampf“. „Hier wird eine deutliche Kriegshetze betrieben, verquaste Geschichtsbeweise rechtfertigen die beiden Weltkriege, und auch ein dritter sei im Plan Gottes unabdingbar. Ein militanter Antikommunismus und ein Idealstaat nach dem Führerprinzip aufgebaut, sind Moons eigentliche Ziele.“