Weil es nicht in die Natur lockt, der findet in der Spielothek Zerstreuung

Von Ulli Mann

Anderthalb Meter Schnee sind richtig. Und die werden’s auch noch“: die Prophezeiung meines Nebenmannes scheint angesichts des permanenten Schneefalls und der bereits vorhandenen Höhe von 70 Zentimetern durchaus realistisch. Lässig lenkt er den Pisten-Bully, ein stämmiges Raupenfahrzeug zum Wegebahnen, Loipenspuren und Pistenwalzen, durch die weiße, skandinavisch wirkende Natur. Doch dieses Winterparadies liegt weder im hohen Norden noch in den Alpen, es befindet sich im Harz und dort auf dem mit 927 Metern zweithöchsten Berg, dem Bruchberg. Nach fünf miesen Wintern – der Fahrer weiß das genau, weil er sich gerade vor fünf Jahren seinen Pisten-Bully anschaffte – gibt es für die Harzer in dieser Saison keinen Anlaß zum Klagen mehr. Sogar mit weißen Weihnachten konnte man aufwarten.

Als ich mich im Januar in Richtung Harz auf den Weg machte und nach der Wetterlage fragte, war die Pracht allerdings wieder etwas zusammengeschmolzen: „Alle Straßen sind frei, nur ganz oben auf den Bergen liegt noch ein halbes Pfund Schnee“, hieß es. Ich fuhr los, in der Erwartung, ein paar geruhsame Tage bei feuchtdurchwachsenem Wetter in Altenau zu verbringen. Auf der Autobahn nichts als Regen. Doch kaum hatte ich im Harz die ersten paar hundert Meter zurückgelegt, fiel – den Wetterfröschen zum Trotze – dichter Schnee. Keine Räum- und Streufahrzeuge ebneten mir den Weg. Für rund 30 Kilometer brauchte ich schließlich – streckenweise waren nur die Markierungsstöcke am Straßenrand zu sehen – fast eine Stunde.

Im „Ferienpark Altenau“ wollte ich einige Tage lang ausprobieren, wie es sich in einer solchen Ferienstadt in der Nebensaison urlauben läßt. Schnee als Beigabe hatte ich eigentlich nicht erwartet, aber nun ließ sich gleich mittesten, was die Harzer aus dem stets herbeigewünschten weißen Zauber machen würden.

Der „Ferienpark“, das sind 1300 Apartments verschiedener Größen, verteilt auf ein vierzehnstöckiges Hochhaus und mehrere Häuser mit fünf bis sieben Etagen. 600 Apartments werden vom H.A.K.-Feriendienst vermietet, sie bilden das Zentrum des Gesamtkomplexes. Die restlichen Wohnungen werden von einer anderen Vermietungsgesellschaft an den Mann gebracht, oder die Eigentümer verfügen selber darüber.

Mit meiner Unterkunft war ich vollauf zufrieden. Das kleine Apartment vom Typ „zwei“ für zwei Personen hat viel Schrankraum im Flur, ein Duschbad, im Wohnzimmer eine schlichte Sitzgruppe im Schweden-Look, außerdem Stehlampe und Sideboard mit Fernsehgerät. In der praktischen kleinen Küche fehlte lediglich ein Mülleimer. Die Schlafkammer, mit zwei durch einen Nachttisch voneinander getrennten Betten, war nur durch einen Vorhang vom Wohnzimmer abgeteilt. Ein Nachteil, den nicht nur Raucher oder Frischluft-Anhänger als störend empfinden mögen. Die Kinderzimmer (mit Etagenbetten) in den größeren Apartments besitzen ein Fenster zum Balkon und eine richtige Tür zu den anderen Räumen.