Von Klaus-Peter Schmid

In einem winkligen Palazzo an der römischen Via del Corso sitzt Günter Bär und macht Kassensturz. Er ist als Direktor des Goethe-Instituts Rom eine Art Großexporteur für deutsche Kultur in Italien. Seine Geschäfte gehen gut; was er anzubieten hat, findet reißenden Absatz. Doch künftig wird Bär seine Kunden kaum mehr zufriedenstellend bedienen können. Der Grund: Während 1973 das Institut noch 88 000 Mark für seine Veranstaltungen ausgeben durfte, werden es 1977 nur noch 75 000 Mark sein.

In Paris hat es das Goethe-Institut noch viel ärger erwischt. Sein Programmhaushalt, 1976 noch rund 150 000 Mark, wurde für dieses Jahr kurzerhand um ein Drittel auf 98 000 Mark zusammengestrichen. Institutschef Baron Michael Marschall von Bieberstein: „Wenn die Tendenz so weitergeht, ist mit einem Ende der produktiven Tätigkeit im Jahre 1980 zu rechnen.“

Daß die Zeiten für deutschen Kulturexport härter werden, liegt an Finanzminister Hans Apel. Er will die gerne als „dritte Säule der Außenpolitik“ gerühmten Goethe-Institute einem Sparprogramm unterwerfen. Das wird zwar die Sprachkurse nicht gefährden. Doch das eigentliche Kulturprogramm muß erbarmungslos zusammengestrichen werden. Die Münchner Goethe-Zentrale geht davon aus, daß von den immerhin noch 19 Millionen Mark für Veranstaltungen aller Art in diesem Jahr bis 1980 ganze drei Millionen übrigbleiben. Generalsekretär Horst Harnischfeger: „Die Institute schreiben mir pausenlos Briefe in sehr bewegten Worten.“

Die Goethe-Leute sind wohl knappe Kalkulation, aber keine leeren Kassen gewöhnt. Gerade den großen Instituten wie Rom, Paris und London geht es jetzt an den Kragen. Dabei ist es gar nicht einfach, ausländischen Partnern klarzumachen, warum ausgerechnet die „reichen Deutschen“ plötzlich den Geldhahn zudrehen. Und wenn bereits vereinbarte Veranstaltungen abgesagt werden müssen, ist die Peinlichkeit groß. Marschall von Bieberstein: „Die Bonner Bürokratie zwingt uns sogar, Verträge zu brechen.“

Bonn kann sich indes damit herausreden, daß der gesamte, über das Auswärtige Amt zugeteilte Zuschuß an das Goethe-Institut auch in diesem Jahr gewachsen ist. Doch jedes noch so gut organisierte Kulturunternehmen leidet unter einem Handikap: Die Kosten für Personal und Verwaltung sind relativ fix und steigen mit der Inflation. So klagt Günter Bär in Rom: „Der Apparat ist viel zu teuer ...“ Er rechnet vor, daß sich vor 15 Jahren die Sprachkurse selbst trugen. „Heute kostet, der Betrieb ein Mehrfaches, und für Effizienz ist kaum noch Platz.“

In der Tat zahlt Bonn 1977 voraussichtlich 97,6 Millionen Mark in die Goethe-Kasse. Doch davon gehen 92 Prozent für Personal und Verwaltung drauf. An eigenen Einnahmen haben die Institute voraussichtlich nur 11,6 Millionen Mark. So wird in der Zentrale am Münchner Lenbachplatz ernsthaft überlegt, ob nicht in den Industrieländern auf den Deutschunterricht verzichtet werden könnte. Damit ließen sich Mittel für Kulturprogramme, das „absolute Herzstück unserer Arbeit“, frei machen.